Persönlichkeitsstörung heilt Liebeskummer

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 17. September 2018

Persönlichkeitsstörung heilt Liebeskummer

KULTUR Theater am Meer erzielt mit neuem Stück großen Heiterkeitserfolg

VON HENNING KARASCH

Gelungene Premiere des "Theaters am Meer" mit der Komödie "Dat Wunner van San Miguel".

Edelgard (Edith Schlette, v.l.), Benny (Rune Opitz), Nelli (Claudia Ducci) und Hubertus (Arnold Preuß) in der gemeinsamen Selbstfindungsphase nach dem ungewolltem wunderlichen Rollentausch. - FOTO: TaM, Preuschoff

WILHELMSHAVEN - Die Komödie „Dat Wunner van San Miguel" ist eine fröhliche Verwechslungsgeschichte. Der alte Stiesel Hubertus Heppelmann  (Arnold Preuß) und die flippige, spontane Nelli (Claudia Ducci) wechselten nach einem Donnergrollen und kurzem Lichtflackern die Körper. Erstaunliche Erkenntnisse, vor allem ihre jeweilige Partnerschaft betreffend, kamen dabei ans Licht.

Dieses „andalusische Mirakel" wurde im voll besetzten Theater am Meer begeistert aufgenommen. Lars Albaum und Dietmar Jacobs schrieben das Stück, Felix Borchert übersetzte es ins Niederdeutsche, und Marion Zomerland führte Regie. Dem Hauptdarsteller und Theaterleiter Arnold Preuß war die Rolle wie auf den Leib geschrieben. Er bezog gleich zu Beginn das Publikum ein. Schließlich sei die Komödie für sechs Schauspieler und ein Dorf mit feurigen Bewohnern geschrieben. Wenn einer der Darstel1er das Fenster öffnete, sollte die erste Zuschauergruppe das „Zipzipzip" von Grillen nachmachen, die zweite rief Olé. Einige Gäste klapperten mit Kastagnetten. Ein Gast in Reihe eins sagte in Abständen als Monteur Antonio »No no, Amigo, nix Riemenkeil dar".

Denn Hubertus war mit Motorschaden im andalusischen San Miguel gestrandet. Hotelbesitzer Juan (Heinz Zomerland) konnte seinem Gast in dem „vermaledeiten Kaff " nur ein sanierungsbedürftiges Zimmer bieten. Da er in Hamburg gearbeitet hatte, schnackte Juan auch Platt. Hubertus konnte Spanien überhaupt nichts abgewinnen. Er war hier nur auf der Suche nach seinem Anwalt. Dieser machte Urlaub in Andalusien und sollte Hubertus' Scheidung von seiner Ehefrau Edelgard (Edith Schlette) vorantreiben.

Im Dorf wurde gerade die Wiederkehr des „Wunners van San Miguel" gefeiert. Laut Juan hatte es vor 100 Jahren ein Schwein gegeben, dass plötzlich zur Kuh wurde. Hotelzimmer waren knapp. In Hubertus' Stuuv wurde die junge Nelli einquartiert. Sie war impulsiv und mit ihrer offenen Art, auf Menschen zuzugehen, genau das Gegenteil von Hubertus. Sie schwärmte von ihrem Freund Benny (Rune Opitz) und erklärte, Tänzerin werden zu wollen. Hubertus hingegen hatte schon vor seinem ehelichen „dreißigjährigen Krieg" mit dem Tanzen aufgehört. Den Ehering trage er nur noch, weil er ihn nicht vom Finger bekomme. Das ungleiche Zufallspaar war sich absolut nicht grün. Die beiden knallten förmlich aneinander - mit  wunderlichen Folgen. Einer steckte nun mit seiner Persönlichkeit im Körper des anderen.

Ein Hochamt für die Kostümbildnerin und Schauspielkunst: Nelli trug Hubertus' gelbe Weste und brummelte. Hubertus sprach süßlich und sah alles so rosarot wie seine Kleidung. Als nacheinander Edelgard und Benny auftauchten, wurde es turbulent. Denn nur Nelli und Hubertus war der Körpertausch bewusst. Edelgard und Benny machten bei ihrem vermeintlichen Gegenüber aus ihrem Herzen keine Mördergrube — den Beziehungsmuffeln drohte eine Katastrophe. Doch was wären Komödien, wenn es nicht Wunder wie das von San Miguel gäbe.

Die Aufführung hielt perfekt die Balance zwischen Tiefgang und Humor und erzielte mit pointierter Treffsicherheit zahlreiche Lachsalven aus dem Publikum. Dem Theater am Meer ist erneut eine absolut sehenswerte Produktion gelungen.