Dat Spill um een Schaap, een Koh un söss braadt´e Eier (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DAT SPILL UM EEN SCHAAP, EEN KOH UN SÖSS BRAADT´E EIER

Märchenspiel in dreizehn Bildern von Paul Jessen

Inszenierung: Rudolf Sang
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Beleuchtung: Theo Pottbacker
Souffleuse: Annemarie Beermann
Frisuren: Helmut Teichmann
Inspizientin: Maria Siebels
Kostüme: Paul Welzel
Ton: Klaus Aden

Rollen und Darsteller
De Verteller - Willy Beutz
De Amtmann u.a. - Hans Macker
De Kröger - Hans Macker
De Schriever - Kurt Röthel
De Paster - Ernst Neumann
Hans Hinnerk - Heino Aden
Lisa, sien Fro - Helga Dannemann


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Hans Hinnerk (Heino Aden) hat dem Pastor genau zugehört und Liesa (Helga Dannemann) ist beeindruckt - eine Szene aus "Dat Spill um een Schaap, een Koh un söss braad´te Eier" -´Spielzeit 1959/60

PRESSESTIMMEN

Premiere bei der "Niederdeutschen Bühne"

Dat Spill um en Schaap, en Koh un söss braad´te Eier"

Paul Jessen läßt in seinem "Spill" den Amtmann die Aussage machen: "Herz und Gemüt gibt es heute doch nur noch im Märchen und nicht in der Wirklichkeit'`. Damit ist der Kern dieses Stückes volltiefgründigen Humors und blutvollen Lebens getroffen. Ein zweites ist die tiefwurzelnde Gläubigkeit aus christlicher Sicht an eine Hilfe aus schwerer Not, was uns der Autor deutlich machen will. Gewiß, der Handlung liegt ein Märchen zugrunde, und es müssen schon einige der vielen Szenenbilder an uns vorübergegangen sein, ehe wir zum Kern des Gedankengutes vorstoßen, aber dann ergibt sich doch am Ende ein schlichtes und tiefgründiges Lebensbild.

Hanns Hinnerk und seine Frau Liesa sind arme Katner, die nur ein Schaf besitzen und so gerne aus ihrem Elend herauskommen möchten, zumal sie bei ihrem Nachbarn, dem reichen Kröger, tagtäglich vor Augen haben, was Wohlstand ist. Der Pastor predigt ihnen von der Kanzel vcm dem Lohn der guten Werke, kann aber nicht ahnen, welche Reihe turbulenter Begebenheiten er mit seiner Predigt auslöst.

Ein Novum in der Geschichte dieser Bühne war die völlig neuartige, äußerst moderne Inszenierung durch Intendant Rudolf Sang. "Kubismus" hörten wir neben uns einen Besucher sagen. Ja, Hannes Kaebe als Bühnenbildner hatte lediglich farbige Würfel in beliebiger Menge auf die Bühne gestellt: die je nach der Szene Farbe und Platz wechselten. Dabei wurde ausschließlich die Vorbühne in Anspruch genommen, so daß es einen engen Kontakt mit dem Publikum gab. Dieser wurde noch bestärkt durch den Erzähler, der als Verbindungsmann zwischen Märchen und Wirklichkeit, Schauspieler und Publikum fungierte.

Wir möchten diese Aufführung als eine der besten bezeichnen, die wir seit langem von den Rüstringern sahen. Alle Bühnenmitglieder waren mit ihrer jeweiligen Rolle eng verwachsen. Den Hanns Hinnerk des Heino Aden werden wir so schnell nicht wieder vergessen, ebenso wie Helga Dannemann in der einzigen Frauenrolle des Stückes über sich selbst hinausgewachsen war. Wie konnte es anders sein, als daß Hans Macker als reicher Bauer und Krüger seinem Part Großspurigkeit zukommen ließ, wie er es in vielen anderen Rollen schon hervorragend bewiesen hat. Will! Minauf gab als Amtmann, ebenso wie in Verwandlungen als "Monarch" (Landstreicher) und Viehhändler erneuten Beweis seiner großen Wandlungsfähigkeit und reifen Darstellungskunst. Als Gerichtsschreiber stand ihm Kurt Röthel in nichts nach. Ernst Neumann war als Pastor durchaus glaubwürdig. Die Rolle des Erzählers lag bei Willy Beutz genau in den rechten Händen, so daß die gewollte Beziehung zwischen Märchen und Wirklichkeit voll und ganz erreicht wurde.

Diese Inszenierung verlangte von der Technik sehr viel, deshalb seien hier Theo Pottbacker (Beleuchtung), Klaus Aden (Tontechnik) und Paul Welzel (Kostüme) rühmend genannt .

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Ach hätt ich doch nur so viel Geld wie der Kröger (Hans Macker), denkt sich Hans Hinnerk (Heino Aden)  - eine Szene aus "Dat Spill....." - Spielzeit 1959/60 -

Wo ist das Märchen zu Ende, wo beginnt das Leben?"

Niederdeutsche Bühne Rüstringen bringt diesmal ein heiter-besinnliches Spiel

"Dat Spill um en Schap, en Koh und söß bradte Eier" von Paul Jessen dürfte nicht nur eines der schönsten und reizvollsten Werke sein, die die Niederdeutsche Bühne Rüstringen während dieser Spielzeit herausbringt, sondern sogar eines der tiefsinnigsten und besten, die diese 'plattdeutsche Laienbühne' im Rahmen ihres durchaus nicht nur auf Unterhaltung bedachten Strebens überhaupt herausbrachte.

"Wo ist das, Märchen zu Ende, und wo fängt das 'Leben an?" Das ist die Frage, oder besser gesagt, der Gedanke, um den es in diesem Stück geht, in dem trotz aller, teils sogar recht handfester bühnenwirksamer Effekte keinen Augenblick der feine Humor und unüberhörbar ein großartiger Mutterwitz fehlen.

Wirklich bewundernswert jedenfalls, auf welch eine eigenartige, ja märchenhafte und doch auch wieder so irdische Weise der Autor diesen Gedanken nicht nur anzuschneiden, sondern auch bis zum Ende durch zuspinnen versteht. Und wenn Willy Beutz hofft, daß der in diesem Satz so völlig eingeschlossene Inhalt und Wert dieses "Spills" auch über die ,Aufführung hinaus seine Zuhöres, anzurühren vermag', dann kann man ihm an dieser Stelle wohl antworten, daß es sicher viele geben wird, die von diesem wo Ende, wo Anfang länger als für zweieinhalb Stunden angesprochen werden.

Einige Motive aus alten Märchen mehr sei der Spannung halber nicht verraten waren für Paul J e s s e n das Gerüst, um das er in zahlreichen Bildern sein Stück aufbaute. Und wie er das macht, ist gekonnt, denn es gelingt ihm fast unmerklich, den Zuschauer da hinzuführen, wo er ihn gern haben möchte. Für einen Regisseur muß es jedenfalls eine geradezu reizvolle Aufgabe sein "lebendige Menschen aus dem Irdischen um eine Spur ins Reich des Märchenhaften zu dirigieren". Diese Verquickung gelang Rudolf Sang ganz ausgezeichnet, und Hannes K a e b e , seines Zeichens Bühnenbildner der "Rüstringer", und Paul W e l z e l (Kostüme) unterstützen ihn optisch dabei nicht weniger glücklich.

Doch auch den Spielern machte die Mitarbeit an dieser Inszenierung sichtlich Spaß, obwohl sie sich hier einer großen und durchaus nicht ungefährlichen Aufgabe zuzuwenden haben. Bereits am Premierenabend stellten sie aber erneut unter Beweis, daß sie es schon wagen dürfen, auch mehr als nur unterhaltsame Abende in Szene setzen, zumal Rudolf Sang sie richtig einzuschätzen und einzusetzen weiß: Ein Ehepaar, dumm und gerissen, bildeten Helga D a n n e m a n n als Liesa und Heino A d e n als Hanns Hinnerk. Beide spielten die ihnen gegebenen Möglichkeiten gewissenhaft und bei aller Zurückhaltung auch mit Genuß aus, und der stets auf seinen eigenen Vorteil bedachte Kröger, der im letzten Augenblick doch noch um einen schönen Gewinn gebracht wird, war eine dankbare Rolle für Hans Macker.

In dreierlei Gestalt erschien schiließlich Willi Minauf als "de Amtmann". Er wußte vor allem zum Schluß hin verschmitzt glaubwürdig zu machen, daß ihm der Vorsitz über solch eine "Verhandlung" wirklich Freude machte. Eine gute Studie mehr am Rande, und auf Grund seines angenehmen Spiels doch auch wieder im Blickpunkt Kurt Röthels Schriever. In der Rolle des Pfarrers hatte es Ernst N e u m a n n nicht ganz leicht, "mitzuhalten" denn ihm ist rein textlich schon nicht allzuviel Spielraum gegeben, aber er überstand die im Verhältnis zu den anderen etwas farblose Aufgabe doch mit guter Haltung. Ein souveräner "Verteiler°, der mit einer Handbewegung den Figuren des Spiels gebot, war Willy B e u t z. Es gab herzliches Lachen und Applaus während der Aufführung und herzlichen Schlußbeifall, und das wird nicht nur am ersten Abend so gewesen sein.