Groode Kinner (2. WA)

2. Wiederaufführung (3), davor 1950/51 und 1963/64 gespielt

GROODE KINNER

Lustspiel in drei Akten von Friedrich Lange

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: August Ahlers a.G.

Bühnenbildbau: Enno Buß, Alfred Christoffers, Karl-Heinz Goldenstein
Inspizientin: Bertha Herpel
Souffleuse: Herta Tapken

Rollen und Darsteller
Eekholt - Enno Buß
Frau Molle, seine Haushälterin - Käte Baumann
Hans, ihr Sohn - Günter Jaedeke
Meta Lüning - Hanna Christoffers, Karin Heyel
Else, ihre Tochter - Wilma Welte
Dora Harms - Hildegard Steffens
Karl Martens - Klaus Aden
Gerd Splint - Heino Aden
Fritz Eekholt - Arnold Preuß

Der Chef (Enno Buß, li) ist entsetzt - Stimmung im Büro (v.l. Hildegard Steffens, Klaus Aden, Wilma Welte, Heino Aden)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

"Un of un to belewt man Romans"

Bravo Rufe bei der letzten Premiere der Niederdeutschen Bühne im Stadttheater

Von Barbara Schwarz

Einen besseren Spielzeitabschluß, als mit Friedrich Langes Lustspiel "Grode Kinner" hätten sich Mitglieder und Freunde der Niederdeutschen Bühne Rüstringen kaum wünschen können: Das Premierenpublikum am Sonntagabend war hellauf begeistert. Es gab viel Szenenbeifall, überaus starken Schlußbeifall und sogar Bravo Rufe. Gefallen hat dem Publikum, daß Regisseur Karl Heinz Herpel das zur Herbstmarktzeit in einer deutschen Kleinstadt spielende Stück nicht irgendwo in einer ungenannten Stadt spielen ließ, sondern hier in Wilhelmshaven ansiedelte und mit viel Lokalkolorit ausstattete.

Der immer wieder erwähnte Markt wurde zum Banter Markt. Die K. W. Brücke und Voslapp, der Mariensieler Flugplatz und die Ruselerstraße werden im Gespräch erwähnt. So bekommt das Spiel um den dickköpfigen Unternehmer Eekholt und seinen verlorenen Sohn Farbe.

Ein Büroflirt? Klaus Aden, Hildegard Steffens

Die Handlung spielt diesmal nicht auf einem Bauernhof oder in einer Kleinbürgerwohnung, sondern im Kontor eines Karosseriebauunternehmens Enno Buß, Alfred Christoffers und Karl Heinz Goldenstein bauten das Bühnenbild nach August Ahlers' Entwurf, in dem der alte Eekholt patriarchalisch herrscht, in dem zwei Kontoristinnen im heiratsfähigen Alter, ein junger Taugenichts, ein schüchterner Angestellter und ein uriges Faktotum beschäftigt sind.

"Un of un to belewt man noch mol Romans": Der attraktive junge Mann, in den sich die kleine Kontoristin Else im Urlaub auf Spiekeroog verliebt hat, entpuppt sich als Fritz Eekholt, Sohn des Chefs. Er ist nicht, wie der Vater zunächst befürchtet, auf dem Rummelplatz hängengeblieben, sondern Diplom-Ingenieur geworden und hat große Karriere gemacht. Dem Senior bringt er sogar noch ein wertvolles Patent heim.IUnd die kleine Kontoristin muß nicht den ungeliebten Ziegeleiarbeiter Klütenkamp heiraten, sondern wird Frau Eekholt.

Sohn Fritz Eekholt (Arnold Preuß) ist zurück. Wird es wieder Krach geben? Es schauen gespannt: Hanna Christoffers und Wilma Welte

Enno Buß, den sein Publikum meist in Rollen bauernschlauer ländlicher Typen kennt und liebt, zeigt hier wieder einmal, daß er durchaus auch ernsthafte Charakterrollen ausfüllen kann. Er gibt der Figur des alten Eekholt patriarchalische Würde.

Die schönste Rolle im ganzen Spiel ist wohl die des betagten Faktotums Gerd Splint. Heino Aden stattet diesen nahen Verwandten des pfiffigen Schwejk mit der nötigen Weisheit aus und findet anrührende, leise Töne.

Wilma Welte ist die erfrischende junge Kontoristin Else, Hildegard Steffens ihre schon erfahrenere liebenswerte Kollegin Dora Harms. Hanna Christoffers kann als Elses Mutter wieder ihre flinke Zunge einsetzen. Käte Baumann, sonst meist der "Trampel vom Dienst", spielt hier eine angriffslustige Haushälterin mit großen Rosinen im Kopf. Sie will ihren Sohn Hans, einen rechten Unsympathen und Tunichtgut, GünterJaedeke müht sich wacker mit dieser Figur ab, zum Chef machen.

Claus Adens kleiner Angestellter Karl Martens erinnert manchmal ein wenig an Jerry Lewis Bürotrottel; ein Tollpatsch, der mütterliche Gefühle weckt. Arnold Preuß gibt dem heimkehrenden Fritz Eekholt die notwendige Ansehnlichkeit. Ein frisches Spiel mit munteren Dialogen, von Karl Heinz Herpel flott inszeniert. Wer sich einen vergnügten Abend machen will, dem sei "Grode Kinner" wärmstens empfohlen.

Da fließen Trägen bei der Mutter (Hanna Christoffers), aber auch bei Heino Aden und besonders bei Wilma Welte