Allens echt, Fro Sperling? (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

ALLENS ECHT, FRO SPERLING?

Komödie in 7 Bildern von Horst Pillau,
nach einem Lustspiel von Erich Krekel,
Niederdeutsch von Jürgen Pooch

Inszenierung: Michael Hermann a.G.
Bühnenbild: Michael Hermann/Klaus Panka

Requisiten: Margita Pust/Klaus Panka
Bühnenbau: Alfred Christoffers, Julius Schumann
Bühnentechnik: Manfred Eilers, Sönke Kiewitt, Michael Müller, Günter Newerla
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Technischer Leiter Klaus Panka
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Inspektion: Margot Andrews-Jäkel
Souffleuse: Helga Lauermann

Rollen und Darsteller
Carla Sperling, Antiquitätenhändlerin - Roswitha Wunderlich
Alexander, ihr Mann - Walter Bleckwedel
Helga, ihre Tochter - Christel Dörnath
Werner, ihr Schwiegersohn - Michal Hillers
Erich Übelacker, Hotelier - Ingo Folkers
Hellig, Kunstdieb - Horst Jönck

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 29. September 1997

Wenig Publikum bei Premiere der Niederdeutschen Bühne

Unverdientes Desinteresse für eine gelungene Inszenierung

Von Astrid Fertig-Niespor

Es wäre für die Niederdeutsche Bühne ein schöner Start in die neue Spielzeit gewesen, wenn sie ihre Premierenvorstellung von „Allens echt, Fro Sperling" am Sonnabend nicht vor halbleerem Theater hätten geben müssen. Doch die Zuschauer, die gekommen waren, hatten ihr Vergnügen an der Geschichte von der plietschen Antiquitätenhändlerin Carla Sperling. „Oh ist das schön", kam es gleich, als der Vorhang sich hob. Die Bühnenbildner hatten ganze Arbeit geleistet. Ein guter Einfall war es, hinter dem Geschäft eine Straßenszenerie anzudeuten, so daß es von beiden Seiten Publikum hatte: nach vorne Zuschauer, nach hinten Laufkundschaft. Aus dem Hintergrund tauchte er dann ja auch auf, der Spitzbub mit dem Namen Heilig, wunderbar verkörpert von Horst Jönck. Gewandet in Agenten-Trenchcoat und Schlapphut wirkt der Hehler unauffällig, bis er die Brauen hochzieht, die Augen wichtig aufreißt und Pro Sperling von einem „sakralen Heuler" und anderen Schnäppchen vor­schwärmt. Einen hübschen Gegensatz zu diesem umtriebigen Menschen bildete der Hotelier Überlacker. Schmallippig und in trockenem Hochdeutsch fordert Ingo Folkers sein Recht, bis er sich schließlich mit Fro Sperling verbündet, „Erich" heißt und platt schnackt.

Sehr gut besetzt ist mit Walter Bleckwedel auch die Rolle des zurückhaltenden Ehemannes der Fro Sperling. Der 64jährige gehört dem Seniorentheater der Landesbühne, de „Wellenbrechern", an und gibt bei der Niederdeutschen ein Gastspiel. Hinreißend mürrisch brummelt er sein „ehrlich währt am längsten", bis er sich am Schluß ganz warmherzig zeigen kann, und seiner Frau einen für 30 Jahre Ehe erstaunlich feurigen Kuß aufdrückt. Aber ihr, die diese Frau Sperling, spielt, Roswitha Wunderlich, gebührt in diesem Stück die Palme. So sah es auch das Publikum und bedachte sie mit dem meisten Beifall. Geschäftstüchtig, mit beiden Beinen mitten im Leben stehend und manchmal doch anrührend naiv, so stellt Wunderlich die Antiquitätenhändlerin dar. Für eines ihrer überzeugend geführten Telefonate gab es spontanen Szenenapplaus. Es ist amü­sant und hintersinnig zugleich, wie sie aus dem Platt dabei in ein gedrechseltes Hochdeutsch springt, um gelegentlich mit einem breiten „Nää" oder „Wat?" doch wieder ins angestammte Idiom zurückzufallen.

Gerade bei der Ausgestaltung der Hauptfigur spürt man auch die engagierte Arbeit des Regisseurs Michael Herrmann. Hat Fro Sperling Oberwasser, läßt er sie in Taubenblau auftreten. Als sich dunkle Wolken über ihrem Geschäft zusammengeballt haben, klatscht nicht nur Regen gegen das Schaufenster, auch die Kleidung der Händlerin ist nieselgrau. In Ordnung waren auch die Leistungen von Michael Hillers als Schwiegersohn in Nöten und seiner Frau Helga, gespielt von Christel Dörnath, die damit ihr Debüt bei der Niederdeutschen gibt.

Es wäre unfair, ihnen vorzuwerfen, daß man ihm in seiner Jugendlichkeit nicht drei Ehefrauen abnimmt, und sie zu bodenständig wirkt, um als Esoterikerin durchzugehen. Allen Beteiligten ist zu wünschen, daß sie bei den Aufführungen an den beiden kommenden Wochenenden mehr Publikum haben.