´n schöne Bescherung (WE)

Norddeutsche Erstaufführung

´N SCHÖNE BESCHERUNG

Lustspiel in vier Akten von Monika Hirschle
Plattdeutsch von Heide Tietjen

Premiere: 4. 12. 1999, Stadttheater Wilhelmshaven

Inszenierung und Bühne:
Elke Münch a.G.

Regieassistenz: Elke Theesfeld
Souffleuse: Heidi Strowick
Requisiten: Marianne Karstens
Bühnenbildbau: Günter Scherf, Horst Vollbrecht
Bühnentechnik: Günter Michaelis, Günter Neverla, Klaus Panka
Bühnenmalerei: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Technische Leitung Manfred Eilers
Inspektion: Klaus Panka

Rollen und Darsteller
Irmgard Eisel - Chritstine Wessoleck
Reinhold Eisel - Horst Karstens
Klaus-Dieter Eisel - André Geelhart
Angelika Meier-Eisel - Martina Jahn
Eberhard Meier - Marc Gelhart
Klothilde Eisel - Hanna Christoffers
Frau Menzel - Magita Pust
Luigi - Günter Jaedeke

André Gelhart, Marc Gelhart, Horst Karstens

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 6. Dezember 1999

Humorvolle Weihnachtskatastrophe

Viel Beifall für die Niederdeutsche Bühne bei Premiere

Von Inga Hellwig

Familie Eisel weiß, wie man es sich am 24. Dezember so richtig gemütlich macht: Ein friedvolles Essen unter dem Weihnachtsbaum im harmonischen Kreise der Lieben. Doch in dem Lustspiel "n' schöne Bescherung" von Monika Hirsch, das am Sonnabendabend im Stadttheater Premiere feierte, klaffen Idee und Wirklichkeit natürlich meilenweit auseinander. Die Heizung ist ausgefallen, der Kühlschrank abgetaut, die Gans verdorben, Oma geht allen auf die Nerven, der Weihnachtsbaum fehlt noch, die Geschenke sowieso, bei Vater und Mutter Eisel (Christine Wessoleck und Horst Karstens) fliegen die Fetzen, Sohn Klaus Dieter (Andre Gelhart) hat ohnehin „null Bock" und Tochter Angelika Maier-Eisel (Martina Jahn) will sich sogar von ihrem Mann Eberhard (Marc Gelhart) scheiden lassen.

Unter der Regie von Elke Münch bescherte das Ensemble der Niederdeutschen Bühne seinem Publikum in dem mit rund 350 Zuschauern gut gefüllten Stadttheater vergnügliche vier Akte, bei denen so manche Lachträne die Wange herunter rollte. Spitzige Dialoge und witzige treffsichere Situationen sorgten für viel Gelächter und anhaltenden Applaus, wobei die Pannen der Eisel-Sippe so manchen sicher mit Grauen an das eigene bevorstehende Weihnachtsfest denken ließen.

In dem Lustspiel "n' schöne Bescherung" werden dem Betrachter humorvoll die Widrigkeiten der Wirklichkeit präsentiert und mit der Gelassenheit heiteren Darüberstehens betrachtet - das alles natürlich auf Plattdeutsch. Die Darsteller spielten schwungvoll und mit sichtbarem Spaß. Am etwas abrupten Ende wird selbstverständlich alles wieder gut und die ganze Familie schart sich um den neuen Kühlschrank und stimmt in das gemeinsame Weihnachtslied ein. Alles in allem eine erfolgreiche letzte Premiere des Jahres 1999 im Stadttheater.

Sonderapplaus gab es für Hanna Christoffers, die in der sehr gelungenen Rolle der Oma Eisel ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum feierte. Bühnenleiter Rolf-Peter Lauxtermann dankte ihr und auch ihrem Ehemann Alfred Christoffers, der genauso lange hinter den Kulissen des niederdeutschen Theaters für den reibungslosen Ablauf der Bühnentechnik sorgt, für die langjährige erfolgreiche Arbeit an der niederdeutschen Bühne. Weitere Aufführungen am 11./12./17. und 26. Dezember 1999 und am 9. Januar 2000.

Hanna Christoffers, Horst Karstens, vorne: Marc Gelhart, Martina Jahn

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 7. Dezember 1999

Jede Rolle ist ein Lustspiel-Volltreffer

Niederdeutsche Bühne am Stadttheater Wilhelmshaven sorgt mit "n' schöne Bescherung" für Weihnachtsstimmung

Von Ernst Richter

Wilhelmshaven. Die Leute sitzen dicht bei dicht, beobachten scharf die Szenerie und kommentieren die Dinge, die da im trauten Familienkreis passieren: „Siehst du, wie bei uns, die Oma ruft dauernd an und fragt, wann sie endlich abgeholt wird, wobei wir ihr das doch schon tausendmal gesagt haben, um fünf Uhr" - „Na, kuck, die läuft immer noch im Morgenrock durch die Stube - und die Zähne hat sie sich auch noch nicht geputzt." Zur Nachbarin gewandt: „Weißt du noch, als die Heizung bei uns ausfiel, da haben wir gleich gewusst, dass da Luft in der Röhre sei und die rufen tatsächlich den Klempner an, da will die Irmgard wohl ein Techtelmechtel mit dem Monteur anfangen, diesem Luigi, so heißt er wohl, dabei hat sie doch einen so netten Mann!" Die Nachbarin antwortet: „Nett ja, aber der poussiert doch mit dieser Menzel, der aufgedrehten Flurnachbarin." „Kiek an, der Kühlschrank ist kaputt, das hätte ich der Frau gleich sagen können, wenn sie das Abtauen vergisst!"

So fliegen die Kommentare hin und her. Alle schauen zu, amüsieren sich köstlich und nicken verständnisvoll, „genau wie bei den Leuten von nebenan". „Bei uns? - Nein, da gibt's höchstens Ärger mit dem Weihnachtsbaum, den Vater aufstellen will, am Ende aber fast besopen ist und der Baum ganz schief in der Stube steht. Jetzt soll Klaus-Dieter den Baum schmücken, wenn er sich nur nicht immer die halben Nächte in der Disco herumtreiben würde", klagt Frau Nachbarin. Das sind Szenen aus dem Zuschauerraum, aufgeschnappt bei der Premiere des Lustspiels "N' schöne Bescherung", aufgeführt Sonnabendabend im Stadttheater von der Niedersächsischen Bühne Wilhelmshaven.

So genau ist das Publikum dabei, identifiziert sich mit den Geschehnissen der Familie Eisel, die sich da streitend auf den Heiligabend vorbereitet. Monika Hirschle hat gut beobachtend das Stück geschrieben, plattdeutsch übersetzt von Heide Tietjen. Die Regie übernahm als Gast Elke Münch. Hier ist die Frage nach den Hauptpersonen schwer zu beantworten. Jede Typisierung ist so trefflich mit Text und Darstellung gelungen, dass alle acht Mitwirkenden Hauptpersonen in ihrer jeweiligen Rolle sind. Das Ehepaar Irmgard und Reinhold Eisel, dargestellt von Christine Wessolleck und Horst Karstens, zieht alle komödiantischen Register und vermittelt echte Weihnachtshektik, unterstützt von André Gelhart als deren Sohn Klaus-Dieter und Martina Jahn im Part der Tochter Angelika, die verheiratet ist und sich ausgerechnet zu Heiligabend mit Scheidungsabsichten herumplagt. Ihr Mann Eberhard Maier wird von Marc Gelhart gespielt, der sehr zum Verdruss seiner jungen Frau immer noch ein Muttersöhnchen geblieben ist. Und die Frau des Hauses freut sich ganz toll, dass sie von ihrem Mann zu Weihnachten eine Bratpfanne geschenkt bekommt. Szenen wie dem Leben abgelauscht. Oma ist wenig begeistert über die Marke des Eau de Cologne, das ihr geschenkt wurde: "N' schöne Bescherung", und Sohn Klaus-Dieter bekam das SOS-Weihnachtsgeschenk: Schlips, Oberhemd, Socken.

Mit viel Temperament zeichnet Hanna Christoffers zu ihrem 40-jährigen Bühnenjubiläum die Oma Klothilde Eisel. Eine Oma wie aus dem Bilderbuch, ausgestattet mit allen Tributen, um die liebe Verwandtschaft zu nerven, die ständig am Telefon hängt und schließlich mit drastischen Anmerkungen doch die Stimmungs-Schieflage geraderücken kann. Magita Pust spielt mit schwingenden Hüften die blonde Nachbarin Frau Menzel, die mehr als ein Auge auf den Hausherrn Reinhold Eisel geworfen hat. Und Günther Jaedeke erfreut in einer leider nur recht kurzen Szene als Heizungsmonteur Luigi typisch italienisch das Publikum und ganz besonders Irmgard Eisel, die ihn mit flehend-anziehender Stimme zu Hilfe gerufen hat, um die Heizung zu reparieren. Zum Happy End haben sich die familiären Kontroversen geglättet.

Das Publikum applaudierte lebhaft und anhaltend. Bevor sich dann der Vorhang endgültig schließt, gratuliert Bühnenleiter Rolf-Peter Lauxtermann Hanna und Alfred Christoffers zu ihrem 40-jährigen Bühnenjubiläum. Hanna Christoffers hat in unzähligen Rollen das Publikum erfreut, es hat mit ihr geweint und gelacht. Ihr Mann Alfred Christoffers war zunächst ebenfalls Schauspieler und hat dann hinter den Kulissen in der Technik als Bühnenbauer an mehr als 200 Bühnenbildern mitgewirkt.

Die weiteren Aufführungen von "N' schöne Bescherung" folgen am 11., 12., 17. und 26. Dezember sowie am 9. Januar. Dem Publikum kann man nur viel Pläsier wünschen, landete die Niederdeutsche Bühne mit diesem Lustspiel doch einen echten Volltreffer.

Horst Karstens, Marc Gelhart (v.l.)

von links: Christine Wessolek, André Gelhart,  Horst Karstens, Marc Gelhart, Hanna Christoffers