"Schlaflose Nächte helfen jetzt nicht weiter"

WILHELMSHAVENER ZEITUNG | 27. März 2020

"Schlaflose Nächte helfen jetzt nicht weiter"

KULTUR Coronavierus hat Theate am Meer lahmgelegt - Das Stück "Honnig in'n Kopp soll in jedem Fall kommen

Keine Aufführungen, keine Proben und natürlich keine Zuschauer — auch das Theater am Meer hat geschlossen. Wie Theaterleiter Arnold Preuß mit dieser Situation umgeht.

VON LUTZ RECTOR

WILHELMSHAVEN - „Wir haben uns im Vorstand darauf verständigt, erst einmal alles auf Null herunterzufahren!“ Es klingt fast, als sei es nichts besonderes, was Arnold Preuß. Vorstandsvorsitzender und künstlerischer  Leiter vom Theater am Meer (TaM), da in einem Satz zusammenfasst. Doch natürlich ist es das, denn seit diese Entscheidung getroffen wurde, ist das Theater an der Kieler Straße verwaist.

Unter normalen Umständen würde aktuell an drei Produktionen gearbeitet. „Honnig'in’n Kopp“ gebe es zu sehen, die Theaterschule würde ihr Stück „Hapen“ (Hoffnung) vorbereiten und auch das für die Sommermonate geplante hochdeutsche Stück „Zwei wie Bonnie und Clyde“ wäre in der Vorbereitung. Alles im Konjunktiv, denn nichts von alledem passiert.

Das Coronavirus hat das kulturelle Leben lahmgelegt, schon bevor die sozialen Kontakte insgesamt deutlich beschränkt wurden. „Mit der hochdeutschen Produktion sind wir erst gar nicht angefangen. Bei ‚Honnig in'n Kopp’ waren wir soweit startbereit, hatten auch schon eine interne Generalprobe, dann war aber Schluss. Das
Stück wollen und werden wir in jedem Fall zeigen, wenn wir den Betrieb wieder aufnehmen können‘, erzählt Preuß. Aber wann könnte das sein? Alle Maßnahmen des TaM zielten zunächst auf den 18. April ab. Das sei der Tag, an dem sich die Politik erkläre und die eingeleiteten Schritte zur Verlangsamung der Infektionsausbreitung zurückfahre oder eben fortsetze. Er befürchte eher Letzteres, sagt Preuß. ‚Wir haben für uns beschlossen, nicht von Tag zu Tag neu zu entscheiden, sondern bis zum genannten Termin in Ruhe abzuwarten‘, so der Theaterleiter.

Theaterchef Arnold Preuß im verwaisten Saal. wz-Foro: LÜBBE

Wenn es aber Mitte April doch weitergehen könne, sei es kein Problem, das Stück „Honnig in’'n Kopp“ ganz schnell auf die Bühne zu bringen. „Die Arbeit daran war so toll, da kann es doch auch gar nicht sein, dass dieses Stück am Ende nicht gezeigt wird!” Natürlich seien die Beteiligten bei allen Stücken mit viel Herzblut dabei, weshalb es ihn persönlich immer schmerze, wenn ein Stück - aus welchen Gründen auch immer - nicht gezeigt werden kann. Gleichwohl sei es bei „Honnig in'n Kopp“ noch ein bisschen schmerzhafter, sagt Preuß.

Das Stück beruht auf dem Erfolgsfilm „Honig im Kopf“ von Til Schweiger. Die Geschichte sei so bekannt, dass vermutlich auch Zuschauer ins Theater an der Kieler Straße gekommen wären, die des Plattdeutschen nicht so mächtig sind. „Überall, wo es bisher gelaufen ist, war es jedenfalls sehr erfolgreich‘, weiß der Experte, Es sei also auch wirtschaftlich wichtig, die Produktion zeigen zu können. Grundsätzlich mache sich Preuß um die finanzielle Situation des TaM allerdings (noch) keine Sorgen. „Als kluges Theater hat man immer eine gewisse  Rücklage, denn es kann immer passieren, das eine Produktion ausfällt“, erklärt er. Zudem hätten die Oldenburgische Landschaft, der Niederdeutsche Bühnenbund Niedersachsen und Bremen sowie der zuständige Landesminister Björn Thümler Unterstützung in Aussicht gestellt.

Diesbezüglich aktuell schlaflose Nächste zu haben, wäre verfehlt, meint Preuß. „Aber klar, diese Krise wird Geld kosten. Je länger sie dauert, desto mehr. Aber wie lange es am Ende gehen wird, das weiß aktuell keiner!“