Die hundertste Rolle für Arnold Preuß

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 21. Oktober 2020

Die hundertste Rolle für Arnold Preuß

KULTUR Theater ist sein Leben - Seit 1965 begleitetet ihn die Schauspielkunst

WILHELMSHAVEN/BOE - Theaterchef und Schauspieler Arnold Preuß steht zurzeit im Theater am Meer in der szenischen Lesung "Love Letters" zusammen mit Schauspielerin Marion Zomerland auf der Bühne. Für Preuß eigentlich normalter Alltag, wenn da nicht ein besonderes Jubiläum wäre. Sein eigenes: Preuß erlebt nämlich seine hundertste Rolle auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Angefangen hat seine Theaterleidenschaft bereits in der Schultheater AG, in der er1964 bis 1966 drei große Rollen spielen durfte.  1971 hatte er bei der Niederdeutschen Bühne  Wilhelmshaven angeheuert,  wo er im September 1973 als Paul Anderson in „Överraschung an’n Avend“ seine erste Rolle hatte. "Die meisten meiner Rollen habe ich dann auch dort gespielt, dem heutigen Theater am Meer. Einen Riesenerfolg hatte ich 1980 mit der Rolle des Peter in „Wat is mit Lisa?“. Das Stück wurde mehrfach vor ausverkauftem Haus, dem damals noch nicht umgebauten Stadttheater, gespielt. Ich erinnere mich gerne an die übersetzten Klassikerrollen, die ich spielen durfte, wie 1986 den Liliom im gleichnamigen Stück in der Regie von Harald Dornseiff oder den Matti in Bertolt Brechts „De Herr Puntila un sien Knecht Matti“ in der Regie von Georg Immelmann", schwärmt Arnold Preuß.  

In meinen 10 Landesbühnen-Jahren habe ich 1994 den Dr. Bird in „Die Caine war ihr Schicksal“, 1995 den Alt in „Krankheit der Jugend“ sowie 1996 den Marc Thyl in „Ein Winter unterm Tisch“ gespielt. Im Sommer 1996 habe ich am Rosenhügel sowie in der Indoorfassung 1997 den Artus und andere Rollen in „Merlin oder das weite Land“ verkörpert. Bei den Freilichttheaterspielen in Dornum hauchte er 1990 dem Burgdrost Theilen in „Quade Foelke“ Leben ein und in Westerstede spielte Arnold Preuß 2001 den Faust in „Dat Speel vun Doktor Faustus“ sowie 2003 den Oberon in Shakespeares  „Sommernachtstraum“. Und auch auf der Freilichtbühne von Dangast war Preuß zu sehen. 2005 verkörperte er den Deichinspektor Garlichs im Stück „Der Deicher“ von Armin Tacke. 

Viel Spaß haben ihm die verschiedenen Figuren gemacht, die er in den Musicals von Marion Zomerland darsstellen durfte, wie im „Meer-Hotel“, im „Lüttstadtrevier“ oder zuletzt in „Ik mutt gar nix“. Besonders gern denkt Preuß an die Zwei-Personen-Stücke zurück, die er jeweils mit Marion Zomerland spielen durfte, das waren „Misery“ (2003), „De besten Daag in mien Läven“ (2012), „Lüttje Eheverbreken“ (2016) und jetzt aktuell die szenische Lesung „Love Letters“. Auch als Solokünstler war Preuß auf der Bühne zusehen. Zum Beispiel 2010 in dem Stück "Alleen in de Sauna", das er auf hoch- und plattdeutsch auf der Bühne dass kleinen Schauspielhaus an der Kieler Straße performte.

Wer Arnold Preuß danach fragt, welches seine Lieblingsrolle war oder welche Rolle er noch spielen möchte, dem antwortet er: "Die Rolle, die ich aktuell probiere oder spiele, das ist meine Lieblingsrolle. Es kommt nicht darauf an, was man spielt, sondern wie der Charakter ist, den man sich erarbeiten muss. Egal ob die Rolle groß oder klein, hoch- oder niederdeutsch ist. Was zählt ist der Charakter, den man spielt. Er muss erfühlt und erlebt werden. Das fasziniert mich immer wieder aufs Neue", sagt Arnold Preuß der wie die gesamte Schauspielmannschaft vom Theater am Meer für das Theater lebt.