Dat Inserat (WE)

Oldenburger Erstaufführung

DAT INSERAT

Schwank in drei Akten von Renate Delfs

Inszenierung: Kurt Büscher a.G.
Bühnenbild: Alfred Christoffers, Enno Buß

Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Helene Schneider
Requisiten: Anke Weiß

Rollen und Darsteller
Max Müller - Friedrich Müller
Oma Müller, seine Mutter - Rika Jung
Bärbel Müller, seine Tochter (Lehrerin) - Roswitha Bertz
Hein Hansen, der Nachbar - Heinrich Müller
Henny Hansen, dessen Schwester - Brigitte Halbekath
Theophil Kaminski - Kurt Röthel
Jens Matthiesen - Karl-Heinz Herpel

Die Crew vom Inserat: v.l. Heinrich Müller, Brigitte Halbekath, Karl-Heinz Herpel, Kurt Röthel, Rika Jung, Friedrich Müller und Roswitha Bertz

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

"Dat Inserat" mit Witz und Komik

Eine gelungene Aufführung der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen"

Von Theodor Murken

Nach jährlicher Übung hat die Niederdeutsche Bühne Rüstringen für die Zeit um Karneval wieder eines der Stücke gewählt, in denen es nach alter Kunst der Schwänke buchstäblich "drunter und drüber" geht. Renate Delfs inFlensburg, die in der dortigen Niederdeutschen Bühne selbst seit Jahren auf den Brettern steht, die die (niederdeutsche) Welt bedeuten, hat eine Handlung erdacht, in der nun alles vorkommt, was zu einem bühnenwirksamen Schwank gehört.

Dazu hat sie noch einen starken Schuß Kriminalistik mit einem Juwelendieb eingeflochten, der auch noch andere Sachen macht und mit seinem "Inserat" nun, wir wollen nicht zuviel verraten, um auch den künftigen Besuchern nicht die Spannung zu nehmen. Es geschieht jedenfalls allerhand in drei ausgezeichneten Akten, bis es am Schluß, im stillen erwartet und doch unerwartet, zu einer "Dubbelt-Hochtied" kommt. Auch Eduard Zimmermann würde seine Freude daran haben, wie gut sich die weiblichen Zuschauer seine "Fernsehstars" merken.

Für die Aufführung hatte Kurt Büscher von der Landesbühne Niedersachsen Nord die Regie übernommen und dabei auf alle die "Treffer" geachtet, die in dem Stück enthalten sind, nicht zuletzt auf manche netten Einfälle der Autorin. Sie, die zuletzt im Mutterfach wie auch im Charakterfach "Komische Alte" auf der Bühne stand, hat die Figur der Oma Müller mit einem feinen Verständnis für solch eine Oma ausgestattet. Rika Jung meisterte die Rolle glänzend.

Wir kennen ja alle eine solche Oma, die alles falsch versteht, aber das, was sie nicht hören soll, richtig, und oft die Dinge viel schneller durchschaut, als man es ihr zutraut. Was Oma Müller denn auch treffend beweisen kann. Ihren Sohn Max spielte Friedrich Müller, und Heinrich Müller war der Nachbar Hein Hansen. Diese beiden Müllers waren ein vortreffliches Zweigespann, wenn es darum ging, sich durch die Geheimtür zu treffen und zu verständigen; Heinrich Müller mußte dazu noch einige Male die Kleider wechseln und seiner Schwester Hennys Perücke aufsetzen, was ihm verdienten Beifall und schallende Heiterkeit einbrachten.

Heinrich Müller in einer Paraderolle

Sonst spielte Brigitte Halbekath die Henny, die im vorgeschrittenen Alter gerne noch an den Mann kommen will, und Roswitha Bertz als Max Müllers Tochter Bärbel war zwar der rechte Typ einer jungen Lehrerin, aber noch nicht so versessen darauf, daß sie auch den Freuden des Lebens nicht abhold war, was sich hier als durchaus nützlich erweist.

Dann gibt es in dem Stück noch zwei Männerrollen, an denen herumzurätseln Spaß macht, nämlich jener zwielichtige Theophil Kaminski. den Kurt Röthel als den wirklich mit allen Wassern gewaschenen Ganoven darstellte, und Jens Matthiesen, den neuen Untermieter von Hansen, der gerade zur rechten Zeit in dies Haus kommt und von dem man erst am Schluß erfährt, welche wichtige Rolle in all dem turbulenten Geschehen spielt. Das wußte Karl Heinz Herpel mit der gewohnten Routine sehr gut zu verkörpern.

Zu allem gab es ein heiteres Bühnenbild von Alfred Christoffers und Enno Buß. Für,die Requisiten sorgte Anke Weiss. Und für starken Beifall, das frohgestimmte Haus.

Eine köstliche Szene aus "Dat Inserat" mit  Brigitte Halbekath, Heinrich Müller und Friedrich Müller - Spielzeit 1974/75 -

Fofftein (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

FOFFTEIN

Musical von Hermann Bruhn
Musik Otto-Karl Siegmund

Inszenierung: Kurt Büscher a.G.
Bühnenbild: Hannes Kaebe
Einstudieren der Tänze: Christa Weise-Heinrich
Einstudieren der Musik: Karl-Heinz Herpel

Souffleuse: Rika Jung
Requisiten: Anke Weiß

Rollen und Darsteller
Kuddel, Stauervice - Wilfried Pampuch
August, Hafenarbeiter - Heino Aden
Tedje, Hafenarbeiter - Kurt Röthel
Winnie, Student - Arnold Preuß
Susanne, Kindergärtnerin - Luise Pampuch
Ilse, ihre Mutter, Inhaberin eines Fischgeschäftes - Hanna Christoffers
Janker, Bootsmann - Friedrich Müller
Fernando, ein Südamerikaner - Horst Jönck
Vier Hafenmädchen - Brigitte Halbekath, Hildegard Steffens,
Anke Schütte, Helene Schneider

"Kikekikekieknich rin - kiek in mienen Wagen rin" - v.l. Arnold Preuß, Hanna Christoffers, Luise Pampuch, Wilfried Pampuch und Kurt Röthel

Wihelmshavener Zeitung

"De gröne Papagei von Tante Mia . . ."

Begeisterter Beifall für "Fofftein" der Niederdeutschen

Von Barbara Schwarz

Mit lang anhaltendem Schluß- und etlichem Szenenbeifall nahm ein begeistertes Publikum am Abend des zweiten Weihnachtstages die neueste Aufführung der Niederdeutschen Bühne Rüstringen auf: "Fofftein", eine Komödie mit Musik, Tanz und Gesang von Hermann Bruhn. Nimmt man die Publikumsreaktion als Maßstab, könnten die Songs "Der gröne Papagei von Tante Mia" oder "De schönste Oogenblick an't Dag is, wenn dat Fofftein heit" in Wilhelmshaven zu Hits der bevorstehenden Karnevalssaison werden.

Und so ein bißchen vorweggenommener Karneval ist die ganze Komödie: bunt, lustig, detib witzig und ein wenig sentimental. Das Ganze, ist allerdings etwas handlungsarm, dramaturgisch reichlich zusammengezimmert und hat eigentlich seinen Schluß schon, als das Geld von Tante Mia einem kranken Waisenkind zugute kommt. Aber was die Niederdeutsche Bühne, was Kurt Büscher als Regisseur, Karl Heinz Herpel als für die musikalischen Einlagen und Christa Weise Heinrich als für die Tanzeinlagen Verantwortliche zusammen mit den Spielerinnen und Spielern in dem wunderschönen Bühnenbild von Hannes Kaebe aus der schwachen Vorlage gemacht haben, verdiente den Beifall, den es bei der Premiere bekam.

Die "Hafenarbeiterinnen" warten auf "Aufträge", v.l. Anke Schütte, Helene Schneider, Hildegard Steffens, Brigitte Halbekath

Außerdem greift der Autor Hermann Bruhn so richtig schön in die Klischeekiste und bringt all das, was man sich auch im Binnenland unter Leben am Hafen vorstellt: die braven Jungs, die Kumpels, die nette Deern von nebenan, die "Bordstein-schwälben", die resolute Fischgeschäftsinhaberin (es könnte auch eine Wirtin sein), den Seemann, der in jedem Hafen eine andere hat, und eine reiche, tote Tante mit exotischem Anhang aus Übersee.

Wilfried Pampuch spielt treuherzig den braven Stauervice Kuddel, der in Erwartung einer Erbschaft sein Sparbuch plündert, um seinen Freunden aus der Schifferstraße eine Freude zu machen, er schenkt ihnen das, was sie sich schon lange wünschen:

dem Hafenarbeiter August (großartig besonders auch in den Songs Heino Aden) eine Angel, dem Hafenarbeiter Tedje (Kurt Röthel, sehr lustig, und beweglich) ein großes Glas Pulverkaffee, dem Studenten Winnie (sympathisch Arnold Preuß) ein Buch, der kleinen Kindergärtnerin Susanne (frisch und lieb Luise Pampuch) die lang ersehnte Handtasche aus Krokodilleder, der Fischgeschäftsinhaberin Ilse (patent Hanna Christoffers) einen Hut.

...und hier die echten Hafenarbeiter - v.l. Heino Aden, Wilfried Pampuch, Kurt Röthel und Arnold Preuß

Und dann scheint es mit der Erbschaft doch nichts zu werden. Nur ein grüner Papagei bleibt von Tante Mia aus Bahia, und der wird auch noch versehentlich ersäuft. Aber es wendet sich alles zum Guten und Kuddel, der Brave und Edelmütige, erbt doch. Dazu verhilft im Fernando (südländisch temperamentvoll Horst Jönck). Mit von der Partie sind vier "Bordsteinschwalben" (verschämt verrucht Brigitte Halbekath, Helene Schneider, Anke Schütte und Hildegard Steffens), die ab und zu aufkreuzen, für Farbe sorgen und hinter dem Bootsmann Janker (fröhlich dargestellt von Friedrich Müller) her sind.

Zwei Stunden bunte Unterhaltung mit Musik und dem außerordentlich vielseitigen Karl Heinz Herpel an der Hammondorgel erwarten all die, die in diesen trüben Tagen den grauen Alltag ein wenig vergessen wollen. Die Spielfreude aller Darsteller wirkt belebend.

Up Düvels Schuuvkar (2. WA)

2. Wiederaufführung (3), davon 1947/48 und 1959/60 gespielt

UP DÜVELS SCHUUVKAR

Komödie in vier Akten von Karl Bunje

Inszenierung: Willy Beutz
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Hanna Christoffers
Requisiten: Anke Weiß
Inspizientin: Berta Herpel

Rollen und Darsteller
Heiko Herkens, Bauer - Karl-Heinz Herpel
Jann Spinn, Knecht - Hans Macker
Taline, Magd - Ellen Beutz
Fied Hilmer, Gendarm - Enno Buß
Helga, seine Tochter - Lore Buchtmann a.G.
Marie, Flüchtling - Luise Pampuch

Taline (Ellen Beutz) setzt Heiko Herkens (Karl-Heinz Herpel) mächtig unter Druck - sie will ihn heiraten....

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Auch heute noch "Up Düwels Schuvkar"

Niederdeutsche Bühne Rüstringen brachte Bunjes Komödie aus der "Kalorienzeit"

Von Theodor Murken

Als zweites Stück dieser Spielzeit hat die Niederdeutsche Bühne Rüstringen Karl Bunjes Komödie "Up Düwels Schuvkar" neu herausgebracht und damit bei der gut besuchten Premiere ein dankbares Publikum gefunden. Karl Bunje, vor 77 Jahren in Neuenburg geboren, als "Banter Junge" im Schatten des Krähenbusches groß geworden und hier zum Steuer und Finanzbeamten herangewachsen, gehört zu den plattdeutschen Dichtern, die nicht nur einen Namen. sondern auch etwas zu sagen haben.

Vor genau 40 Jahren kam sein erstes Stück auf die Bühne (Desertörs), durch den auch ins Hochdeutsche übersetzten und verfilmten "Etappenhas" wurde er berühmt. Er konnte dann dem Finanzamt ade sagen und die Zeit zum Schreiben nutzen. Als uns nach dem 2. Weltkrieg die "Alliierten" nach einer imaginären "Kalorien" Berechnung die Lebensmittelrationen immer knapper zuteilten und Schwarzmarkt und Hamsterfahrten aufblühten, kam Karl Bunje die Idee zu einem neuen zeitkritischen Stück. 1947 entstand so die Komödie "Up Düwels Schuvkar".

Die Niederdeutsche Bühne spielte es damals 58mal, zuletzt brachte sie das Stück noch einmal vor 14 Jahren. Heute ist mehr als ein Vierteljahrhundert seit jener Hungerund Hamsterzeit vorüber, aber aus der Vorrede des Stückes vor dem Vorhang von Jan Spin auf der "Schuvkar" vorgetragen, hörten wir, daß wir immer noch "up Düwels Schuvkar" fahren, heute nicht mehr auf der Jagd nach Butter und Speck, dafür aber um so mehr nach dem Gelde.

Der Leiter der Niederdeutschen Bühne, Willy Beutz, hat das Stück inszeniert. Seine Regie, so schien uns, setzte der Aufführung nicht nur einige Lichter auf, die denn auch besonderen Beifall fanden, sondern war darauf bedacht, daß "na't Lachen" auch "so'n Spier Besinnen" kommen konnte, was Karl Bunje in seinemVorspruch zu der neuen Aufführung seines Stückes zu erreichen wünschte.

Ein bisschen "dat Gatt vull" bekommt Lore Buchtmann (a.G. aus Varel) von Enno Buß, Hans Macker als Jan Spinn freut sich sogar sehr darüber...

Die Darsteller boten ein abgerundetes Spiel. Karl-Heinz Herpel hatte das richtige Temperament für die Rolle des gerade aus dem Kriege heimgekehrten jungen Bauern Heiko Herkens, der schließlich bei drei Bräuten landet und am Ende doch die richtige bekommt. Hans Macker gab dem Knecht Jan Spin die rechte Facon, wie sie einem tatsächlich spinnerigen und eingefleischten Junggesellen ansteht, der nur noch mit "genauer Not" den Fesseln des Ehestandes entgeht.

Um bei den männlichen Darstellern zu bleiben, wäre dann noch Enno Buß als Ortsgendarm zu erwähnen, der bei aller Komik diese Rolle nicht einmal karikierte und mit mancher wahrhaft erheiternden Szene aufwarten konnte. Wie herrlich schnupperte er nach dem (auf dem Bauernhof geheim gebrannten) ;,Korn" (sprich Rübenschnaps).

Daß bei den Frauen Ellen Beutz als Magd Taline durch ein tief empfundenes Spiel überragte, brauchte nach all dem, was wir von ihr gesehen haben, nicht zu verwundern, sie hatte sich auch hier wieder in ihre Rolle hineingelebt. Man spürte, daß sie das Geschehen auf dem Bauernhof gleichsam in der Hand hatte und zum guten Ende lenkte.

Luise Pampuch als Flüchtlingsmädchen Marie, zurÜckhaltend, aber wachen Sinnes, gehörte zu denen, die von der Magd weise und zielbewußt gelenkt wurde. Lore Buchmann von der Niederdeutschen Bühne Varel war als liebes- und lebensdurstige Tochter des Gendarms in allen Sätteln auf der Höhe (soweit sie nicht einmal von ihrem Vater übers Knie gelegt wurde). Hannes Kaebe zeichnet für das Bühnenbild mit den versteckten Alkoven von einst, der nun, das sollte man sich lieber selbst ansehen.

Nordwest-Zeitung vom 4. November 1974

Für Freunde plattdeutscher Situationskomik auf der Bühne

Viel Beifall für "Up Düwels Schuvkar"

Von Wilhelm Böhme

Wilhelmshaven. Mit der Komödie "Up Düwels Schuvkar° von Karl Bunje brachte die Niederdeutsche Bühne jetzt ein schon in der Spielt eit 1947/48 aufgeführtes Erfolgstück heraus. Unter Regie von Willy Beutz bereitete auch die Neuauflage bei der Premiere im Wilhelmshavener Stadttheater den Freunden plattdeutscher Situationskomik wieder ein köstlich-heiteres Vergnügen.

Begeistert klatschte das Premierenpublikum Beifall und mehrfach gab es prasselnden Applaus auf offener Szene. Trefflich und ausdrucksvoll wußte das Ensemble die urkomischen Tvpen in diesem Stück darzustellen, wobei in dem Bühnengeschehen die Nachkriegszeit lebendig wird, in der Schnapsbrennen und Schwarzhandel zur Tagesordnung zählten.

Im Bühnenbild von Hannes Kaebe wird in eine Bauernstube eingeblendet und die listenreiche Erfindungsgabe eines jungen Hofbesitzer und seines altgedienten Knechtes aufgezeigt, die in einem von einem wuchtigen Bauernschrank verdeckten Alkoven eine heimliche Rübenschnapsbrennerei eingerichtet haben. Natürlich bleibt dieses Treiben dem weiblichen Gesinde und auch anderen nicht verborgen,

Ellen Beutz beherrscht dabei schnapserschnuppernd, resolut und zur Hofbestellung antreibend als Altmagd die Szenen. Karl Heinz Herpel spielt großartig den von der Schnapsproduktion besessenen Bauern. Köstlich in seiner Darstellung als Spießgeselle und Großknecht Hans Macker. Enno Buß verkörpert im wahrsten Sinne den jovialen, doch letztlich den gesetzestrauen Dorfgendarmen. Auch mit Liebe und Eifersucht angereichert ist diese Bunje Komödie, in der Lore Buchtmann - Niederdeutsche Bühne Varel - glänzend ein raffiniertes, rachsüchtiges Flittchen darstellt, während als reizende Gegenspielerin Luise Pampuch mit anmutiger Natürlichkeit den Ausgleich bringt.

Wenn du Geld hest (1. WA)

1. Wiederaufführung (2), davor 1957/58 gespielt

WENN DU GELD HEST

Lustspiel in drei Akten von Wilfried Wroost

Inszenierung: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Helene Schneider
Requisiten: Anke Weiß
Inspizientin: Berta Herpel

Rollen und Darsteller
Julius Kappelhoff, Kontorbote - Enno Buß
Rudolf, Taxi - Chauffeur, sein Sohn - Wilfried Pampuch
Lissi, Hausangestellte, seine Tochter - Luise Pampuch
Fredi, Hoteldiener, sein Sohn - Arnold Preuß
Frl. Emilie Kappelhoff, Julius Schwester - Erika Kaebe
Oskar Pommerenke, kaufmännischer Angestellter - Kurt Röthel
Alma Roggenbuck, Wwe. Inh. einer Autovermietung - Hildegard Steffens
Helga, ihre Tochter - Roswitha Bertz
Robert M. Dörmann, Inhaber einer Schiffsbefrachterfirma - Friedrich Müller

"Wenn Du Geld hest" liggt se all vör di op de Knee - sagt Jochen Schlarmann (Enno Buß) und von links "liegen" Arnold Preuß, Erika Kaebe, Kurt Röthel und Luise Pampuch.

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Der "Lottokönig" mit der Drittelmillion

"Wenn Du Geld hest" von der Niederdeuschen Bühne Rüstringen mit Erfolg aufgeführt

von Hildebrandt

Ach ja das liebe Geld! Der bekannte Niederdeutsche Wilfried Wroost weiß genau, was Geld alles vermag. Es macht unglücklich, es beruhigt, es verhilft seinem Besitzer zu hoben Ehren, zu guten Stellungen. So ist seine Komödie "Wenn Du Geld hest" ein getreues Spiegelbild dieser Macht im Leben der Menschen. Die Niederdeutsche Bühne Rüstringen übte es zu ihrem Saisonbeginn ein und landete damit am jüngsten Sonnabend im vollbesetzten Stadttheater ebenso glatt wie glücklich. Das froh gestimmte Publikum klatschte begeistert und freute sich über die guten Leistungen, vor allem der "alten Garde", zu denen Enno Buss und Erika Kaebe gehören.

Die Geschichte von dem Bundeswehr Hauptfeldwebel a. D. Kappelhoff, der als Kontorbote in einer Schiffsbefrachterfirma kujoniert wird, ist schnell skizziert. Ein ehemaliger Rekrut besucht ihn und überläßt ihm zu treuen Händen ein Sparbuch mit einer Drittelmillion, ein Lottogewinn, auf Jahre festgelegt. Der Kontorbote versteckt das Buch nicht gut. Bald wissen seine drei Kinder, seine haushaltführende Schwester, die Nachbarn, die ganze Straße von dem Glück des angeblichen Totokönigs.

Er kündigt bei seinem Chef, der älteste Sohn wird plötzlich von der mit Geldnöten ringenden Schwiegermutter in spe akzeptiert. Der zweite Sohn will nicht mehr als "Grashopper" in seiner grünen Uniform als Hoteldiener arbeiten, und Tochter Lissi geht nicht mehr als Hausmädchen zum Herrn Professor. Nach vielen Irrungen und Wirrungen stehen zwei glückliche Paare auf der Bühne, dazu ein zum Kompagnon aufgestiegener Hauptfeldwebel a. D., und nicht zuletzt das ältliche Fräulein Emilie, das ihrem Verlobten inzwischen zweimal Witwer 3o Jahre lang die Treue hielt. Nun sieht sie ein Foto von ihm; er hat eine Totalglatze. Emilie schluckt ein wenig und verzichtet auf ihr immer wieder erhofftes Lebensglück.

Karl Heinz Herpel, in ungezählten Aufführungen der Niederdeutschen Bühne bekannt geworden, inszenierte die Komödie mit ganz ausgeprägtem Sinn für ihre ironischen Feinheiten und unaufdringlich eingewobenen Lebensweisheiten. Dazu kam ein nettes Bühnenbild von Hannes Kaebe: das Wohnzimmer der Familie Kappelhoff mit Sofa, Nähmaschine und der Kommode, wo das Sparbuch, das die Hauptrolle spielt, gefunden wird.

Enno Buss, als weißhaariger Vater junger Kinder von heute, braucht nur auf die Bühne zu kommen schon sind ihm alle Sympathien gewiß: Sein Bote, der die Macht des Geldes genüßlich auszukosten weiß, würde allein schon genügen, um die Kommödie standfest zu machen. Aber da ist auch noch Erika Kaebe als Emilie mit der "inneren S timme". Wer könnte diese Frauengestalt besser verkörpern! An diesen beiden Spielern "ranken" sich (gewissermaßen) andere empor: Wilfried und Luise Pampuch (Rudolf unt Lissi), Arnold Preuß (Fredi) und auch Roswitha Bertz (Helga). Hildegard Steffens als Witwe Roggenbuck, Kurt Röthel als Oskar Pommerenke und Friedrich Müller als Firmenchef sind ebenfalls jeder in seiner Weise gut. So kam es zu einem Erfolg erster Klasse, für das Stück, die Spieler und damit für die ganze Bühne.

Arnold Preuß (Fredi) hilft seiner Tante (Erika Kaebe) verdächtig freundlich, Pommerenke (Kurt Röthel) und Schwester Lissy (Luise Pampuch) schauen gespannt zu.

NORDWEST-Zeitung

Vergnügte Stunden mit plattdeutschem Theater

Niederdeutsche Bühne eröffnete Spielzeit

Von Wilhelm Böhme

Mit der Komödie "Wenn du Geld hest . . ." von Wilfried Wroost eröffnete im Wilhelmshavener Stadttheater die Niederdeutsche Bühne ihre Spielzeit. Die Freunde der plattdeutschen Mundart erlebten bei der Premiere zwei köstlich-vergnügte Stunden.

Sowohl für die Inszenierung als auch für die prächtige Gesamtleistung des Ensembles gab es bei der Premiere lebhaften Beifall. Karl-Heinz Herpel als Regisseur bewies Einfallsreichtum und verstand es mit leichter Hand, seine Akteure spielstark in Szene zu setzen. Das mit zahlreichen humorvoll gewürzten Gags angereicherte Stück im Bühnenbild von Hannes Kaebe kam jedenfalls beim Publikum voll an.

Mehrfach gab es Beifall auf offener Szene. Urkomische Situationen wurden in diesem Spiel von einem Lottogewinn herausgearbeitet, der plötzlich, aber von einer ungeahnten Seite, in eine Familie hineinschlägt. "Wenn du Geld hest . . .!" kann man dabei nur sagen, und es wurde bei der Premiere auch zwerchfellerschütternd deutlich dargestellt, wie sich die Charaktere des Menschen wandeln und die Verhältnisse ändern können.

In Paraderollen agieren als herrlich urwüchsig gezeichnetes Zweigespann Erika Kaebe und Enno Buss. Sie als resolute unverheiratete Schwester, die bei ihrem verwitweten Bruder den Haushalt führt, er als cholerisch veranlagter Hausherr, der bis zum großen Geldsegen als Kontorbote katzbuckeln muß.

Herzerfrischend und überzeugend spielen Wilfried Pampuch, Luise Pampuch und Arnold Preuß die drei erwachsenen Kindern. Wohlabgestimmt bringen sie in ihren Rollen einen Schuß Schnoddrigkeit und jugendliche Unbekümmertheit im großen Bühnenspaß. NatürIich fehlt dabei auch die Liebe nicht, wobei Roswitha Bertz und Kurt Röthel dann freudig mitmischen.

Von der Kunde des großen Geldsegens angezogen treten in der flott und quicklebendig gespielten Komödie schließlich als doppelzüngige Inhaberin einer Autovermietung und Schwiegermutter in spe Hildegard Steffens sowie als biederer, gebrechlich alter Schiffsbefrachter Friedrich Müller trefflich und gelänzend gezeichnet in Szene.

Vater Kappelhoff (Enno Buß) mit den Häuptern seiner Lieben (Wilfried Pampuch, Luise Pampuch und Arnold Preuß)

JEVERSCHES WOCHENBLATT

"Rüstringer" erzeugten gute Laune

42. Spielzeit begann mit der Wroost Komödie "Wenn Du Geld hest"

(wg) Wilhelmshaven. "Wenn Du Geld hest" biste was. Dieser Einsicht ist die Komödie von Wilfried Wroost gewidmet, die die Niederdeutsche Bühne Rüstringen an den Anfang ihrer 42. Spielzeit gesetzt hat und nach dem Verlauf der Premiere im Stadttheater zu urteilen den zahlreichen Stammbesuchern in Wilhelmshaven und den Spielorten im Jeverland noch viel Vergnügen bereiten wird.

Die Weisheit "Wenn Du Geld hest . . ." ist freilich nicht neu und reicht allein längst nicht für eine abendfüllende Unterhaltung. Auch in der Art und Weise, wie Wroost sie in eine drei Akte lange Bühnengeschichte um den Kontorboten Kappelhoff und seine Familie umgesetzt hat, ist sie bald abgenutzt. Die Spannung wird dann allerdings gegen Ende des 2. Akts durch einige überraschende Wendungen wiedererweckt.

Es war also keine leichte Aufgabe für Regisseur Karl-Heinz Herpel und die neun Akteure, das Publikum zweieinviertel Stunden bei Laune zu halten. Ihnen mußte daran gelegen sein; durch schauspielerische Akzentuierung das Spiel aufzulockern.

Die Ausstrahlungskraft der einzelnen Darstellungen war dabei unterschiedlich. Enno Buss und Erika Kaebe hatten als Geschwisterpaar Julius und Emilie vom Start weg eine starke Resonanz im Zuschauerraum; Enno Buss mit einer lebendigen Schilderung eines einfachen, etwas fahrigen Mannes, unkompliziert und ohne Argwohn, Erika Kaebe mit einer glaubhaften Version eines späten Mädchens mit einer spezifisch weiblichen Knurrigkeit.

Bei der Darstellung der drei Kinder des Julian überraschte das unbekümmerte Spiel des neuen Mannes Arnold Preuß, der an der Seite von den gewohnt zuverlässigen Wilfried und Luise Pampuch keineswegs wie ein Neuling spielte. Eine amüsante, bei aller Deutlichkeit nicht überzogene Skizze gelang Hildegard Steffens in der Rolle der Autovermieterin Roggenbuck eine der herausragenden Leistungen dieser Aufführung.

Daneben spielte in der von Hannes Kaebe gestalteten Stube Kurt Röthel einen farblosen kaufmännischen Angestellten, dessen besonderes Merkmal schien, keines zu haben. Roswitha Bertz eine biedere Tochter Helga u. Friedrich Müller in einem Kurzauftritt den Firmeninhaber Dörmann. In dem starken Beifall, der am Ende in dem gut besetzten Theatersaal zu hören war, lag ein Kompliment für die "Rüstringer".

Övervall in Lüttgenbüttel (WE)

Oldenburger Erstaufführung

ÖVERFALL IN LÜTTGENBÜTTEL

Kriminallustspiel in drei Akten von Wolfgang Ebert, niederdeutsch Hans-Jürgen Ott

Inszenierung: Gerhard Erfurt a.G.
Bühnenbild: Hannes Kaebe
Regieassistenz: Karl-Heinz Herpel


Beleuchtung: Theo Pottbacker
Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Luise Pampuch

Rollen und Darsteller
Franz Peters, Polizeiwachtmeister - Wilhelm Pick
Walter Busse, Polizeiwachtmeister - Wilfried Pampuch
Erik Wöltjen, Polizeihauptwachtmeister - Hans Macker
Leni - Roswitha Bertz
Frau Lübben, Lenis Tante - Erika Kaebe
Opa Bienert, Alter Ganove a.D. - Günter Boye
Arthur Holsten, Bürgermeister - Heino Aden
Hein Garbers, Bauer - Enno Buß
Herr Eberlein, ein Reporter - Horst Jönck


Niemand soll doch bitteschön die Ruhe in Lüttgenbüttel stören, auch nicht Opa Bienert (von links Wilhelm Pick, Günter Boye und Wilfried Pampuch)  -eine Szene aus "Överfall in Lüttgenbüttel" - Spielzeit 1973/74 -

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Niederdeutsche Bühne immer erfolgreicher

Hier gibt es keine bösen Buben

In Lüttgenbüttel ist die Welt noch ganz und gar in Ordnung

Von Barbara Schwarz

Lüttgenbüttel muß in irgendeinem Traumland liegen; selbst morgens um 7 Uhr ist in keinem friesischen oder ostfriesischen Dorf die Welt noch so in Ordnung wie in Lüttgenbüttel, wo aus Kinokassen noch 8000 Mark zu rauben sind. Kein Wunder, daß die drei "Holden" der Polizeistation von Lüttgenbüttel nichts zu tun haben und in die Kreisstadt versetzt werden sollen. Das ist die Grundidee zu Wolfgang Eberts Kriminallustspiel "Överfall in Lüttgenbüttel" in der niederdeutschen Fassung von Hans-Jürgen Ott. Die Niederdeutsche Bühne brachte es Freitagabend als letzte Premiere der laufenden, für sie so erfolgreichen Spielzeit heraus.

Wenn auch - abgesehen von der wirklich hübschen Grundidee - das Stück nicht ganz so witzig und bis auf den letzten Akt nicht ganz so munter ist, wie ich es mir vorstellte, soliegt das keineswegs an der Iiebevollen Inszenierung, sondern eben am Stück selber. Die Aufführung der Niederdeutschen Bühne ist wie aus einem Guß (Regie Gerhard Erfurt, Regieassistenz: Karl-Heinz Herpel). Großartig vor allem Günter Boye als alter Ganove, als Opa Bienert - hintergründig, kauzig; besonders beeindruckend in der Szene, als er noch in der Polizeistelle sitzt, sich nebenan die Polizisten mit Bürgermeister, Kinobesitzerin und Nichte zum Gruppenbild aufbauen. Man spürt, wie er sich schnapstrunken von der Pritsche erhebt, langsam aufsetzt, einen Schlappen verliert, immer wieder zögert, bis er schließlich an der Tür steht, daß er die Lösung des Falls bringt.

Weit mehr Ausdrucksmöglichkeiten als Erik Ode und seinen Assistenten in der Kommissar Serie gibt "Överfall in Lüttgenbüttel" Hans Macker als schüchtern verliebten Polizeihauptwachtmeister Wöltjen, Wilhelm Pick als angelndem Polizeiwachtmeister Peters und Wilfried Pampuch als auf Freiersfüßen gehendem Polizeiwachtmeister Busse. Die drei sind ein köstliches Gespann. Anlaß, daß Polizeihauptwachtmeister Wöltjen im fortgeschrittenen Alter noch einmal verliebt ist wie ein Jüngling, ist Margarete Lübben, die Kinobesitzerin. Erika Kaebe bringt die zwischen tantenhafter Strenge und neckischer Verliebtheit Schwankende großartig.

Roswitha Bertz spielt die ebenfalls verliebt, zu Unrecht verdächtigte Nichte Leni mit sehr viel Komik und jugcndlicher Frische. Heino Aclen als Bürgermeister Holsten ist ganz der auf Würde bedachte Kommunalpolitiker, der die Gunst der Stunde nutzen will. Enno Buß diesmal in einer kleinen Rolle, spielt den Bauern Hein Garber so richtig schön treu-doof, auch ein wenig spökenkiekersch. Horst Jönck als Reporter entpuppt sich am Ende ...

Das Bühnenbild, das wirklich treffend die Atmosphäre der Amtsstube eines kleinen Polizeipostens vermittelt, schuf Hannes Kaebe. Allen an der Aufführung Beteiligten dankte das Publikum mit herzlichem Beifall, der - so schien mir - besonders auch Günter Boye galt.

Das Ensemble stellt sich zum Gruppenfoto: von links Horst Jönck, Enno Buss, Wilhelm Pick, Erika Kaebe, Heino Aden, Hans Macker, Günter Boye und vorne Roswitha Bertz und Wilfried Pampuch

Mordsgaudi auf der Polizeistation

PREMIERE "Överfall in Lüttgenbüttel"

Von Wilhelm Böhme

Wilhelmshaven. Mit dem Kriminallustspiel "Överfall In Lüttgenbüttel" von Wolfgang Ebert brachte die Niederdeutsche Bühne "Rüstringen" die 5. und letzte Inszenierung der Spielzeit 1973/74 heraus. Bei der Premiere erlebten im Wilhelmshavener Stadttheater die Freunde der plattdeutschen Mundart zwei köstlich vergnügliche Stunden. Unter Regie des Landesbühnen-Schauspielers Gerhard Erfurt wurde das in niederdeutsche Bearbeitung von Hans Jürgen Ott recht pointenreich servierte Stück mit lebhaftem Beifall vom Premierenpublikum bewertet. Für das einsatzfreudige Ensemble gab es mehrfach Szenenapplaus und langanhaltenden Schlußbeifall.

Der Dreiakter blendet in seinem stilecht gebrachten Bühnenbild von Hannes Kaebe in das Geschehen in einem mit drei Beamten besetzten Polizeiposten einer verträumten norddeutschen Gemeinde ein, deren Ordnungshüter wegen Fehlens von besonderen Ereignissen "arbeitslos" sind. Eine angekündigte Auflösung des Polizeipostens und eine Versetzung droht, was die Polizei-Dorfgewaltigen dann zum Erfinden von Kriminalfällen sehr mobil macht.

Wilhelm Pick, Wilfried Pampuch und Hans Macker spielen treffend und in humorgewürzten Dialogen die einfallsreichen Ordnungshüter. Sie verstehen es dabei prächtig, zunächst die bewußt triste Atmosphäre der Polizeistube zu einem turbulenten Wirbel aufzuheizen. Zunächst wird das einzige kriminelle Paradestück der Gemeinde, ein recht abgetakelter Ganovenopa, umwerfend lebensecht von Günter Boye dargestellt, zum Mitmischen bei erfundenen Kriminalereignissen veranlaßt. Danach zünden dann in einer Zwerchfelerschütternden Kettenreaktion in diesem niederdeutschen Schwank die Uberraschungseffekte.

Erika Kaebe tritt dabei als resolute, um ihre Kasse gebrachte Kinobesitzerin und aufmunternd zum Liebeswerben bei dem Polizei-Postenvorsteher in der Amstsstube in Szene. Roswitha Bertz spielt in natürlicher Anmut ihre Nichte, die nicht nur zarte Bande zu einem der um Versetzung bangenden Dorfgendarmen geknüpft hat. Mit von der Partie, seine Gemeinde für die Beibehaltung des Polizeipostens interessant zu machen, ist schließlich auch der Bürgermeister, in dessen Rolle Heino Aden hauteng, zeitweilig arrogant polternd, geschlüpft ist. Besonderen Beifall löste auch Enno Buß als dösig, tapsiger Bauer aus, wobei dann für eineu überraschenden Schlußakkord im großen plattdeutschen Bühnengaudi Horst Jönck als ein als Zeitungsreporter getarnter Edelganove sorgt.

Die "Superbullen" aus Lüttgenbüttel : Hans Macker, Wilfried Pampuch, Wilhelm Pick - eine Szene aus "Överfall in Lüttgenbüttel" - Spielzeit 1973/74 -

Peper un Solt (1. WA)

1. Wiederaufführung (2), davor 1954/55 gespielt

PEPER UN SOLT

Volksstück in drei Akten von Karl Bunje

Inszenierung: Heino Aden
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Beleuchtung: Theo Pottbacker
Tontechnik: Arnold Preuß
Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Brigitte Halbekath

Rollen und Darsteller
Gerd Bödeker, Landmaschinenbau - Hans Macker
Lisbeth, seine Tochter - Rosemarie Kümmel
Marie Peters, Inhaberin einer Pension - Hanna Christoffers
Theda, ihre Tochter - Luise Pampuch
Kathrin, Hausgehilfin bei Peters - Rika Jung
Cord Jaspers, Maschinenbauer - Wilfried Pampuch
Eggert Pannenborg, Buchhalter - Klaus Aden
Jochen Schlarmann, Nachtwächter - Enno Buß
Ewald Precht, Reisender in Schmierölen - Kurt Röthel

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"Nu ward de lüttje Pummel anleggt" - v.l. Hanna Christoffers, Luise Pampuch, Wilfried Pampuch und Rosemarie Kümmel - in einer Szene aus "Peper un Solt"

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

"Stürmischer Beifall für alle Spieler"

Heino Aden inszenierte Karl Bunjes Lustspiel "Peper und Solt"

Von Barbara Schwarz

Mit Szenenapplaus und lang anhaltendem Schlußbeifall für alle Spieler, aber auch für Heino Aden als Regisseur und Hannes Kaebe als Bühnenbildner bedankte sich am Sonntagabend das Premierenpublikum für zwei Stunden herrliche Unterhaltung. Die Niederdeutsche Bühne Rüstringen hatte mit ihrer vierten Inszenierung in dieser Spielzeit, Karl Bunjes Lustspiel "Peper und Solt", genau wieder den richtigen Griff getan, zumal das Stück für Publikumsliebling Enno Buss eine neue Paraderolle bot.

Der Handlungsablauf ist nur scheinbar verwirrend; wenn man das Geschehen im Theater miterlebt, ergibt sich logisch das eine aus dein anderen. Die Irrungen und Verwirrungen entstehen nur wie Lisbeth zum Schluß bekennt , weil sie so verbiestert war. Aber nicht nur Lisbeth, sondern auch ihr Vater, der Landmaschinenbauer Gerd Bödeker, die Pensionsinhaberin Marie Peters und der junge Maschinenbauer Cord Jaspers sind zeitweise verbiestert, so daß es zu Mißverständnissen kommt, die aber glücklicherweise alle gelöst werden können.

Die Maschine, die Gerd Bödeker konstruiert hat, wird mit Cord Jaspers Hilfe noch für die Ausstellung fertig. Tochter Lisbeth Bödeker wird trotz unehelichen Kindes wieder zu Hause aufgenommen. Theda Peters bekommt ihren Cord und ihre Mutter Marie hat doch noch Aussicht, Großmutter zu weiden. Buchhalter Eggert Pannenborg darf hoffen, die geliebte Lisbeth noch heimzuführen. Während der Reisende Ewald Precht froh sein muß, nur eine Ladung Peper und Solt anstatt Vier Millimeter Schrot in den Allerwertesten bekommen zu haben.

Und für die Hausgehilfin Kathrien und Nachtwächter Jochen Schlarmann wird alles beim alten bleiben: sie wird ihm auch künftig morgens, wenn er vom Dienst kommt, seinen Pannkoken backen und er ihn mit Peper und Solt verzehren. Die Welt ist wieder heil. Und das ist es auch, was das Publikum an solchen niederdeutschen Lustspielen so gern hat: man wird nicht mehr frustriert, sondern nett unterhalten. Man kann für einige Zeit seine Alltagssorgen vergessen.

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Am Ende ist wieder alles im Lot - v.l. das Ensembel von "Peper un Solt" Hanna Christoffers, Lusie und Wilfried Pampuch, Hans Macker, Enno Buß, Kurt Röthel, Rika Jung und Rosemarie Kümmel

Und bewundernswert ist auch immer wieder der Einsatz aller Mitwirkenden vor und hinter den Kulissen. Besonderes Lob verdient Luise Pampuch, die für die erkrankte Gerda Jörss einsprang und innerhalb von einer Woche die Rolle der Theda übernahm und sie dann auch noch frisch und lebendig spielte. Vor ihr kann man nur den Hut ziehen. Aber auch alle anderen Spieler waren voll da: Hans Makker war der sture Landmaschinenbauer Bödeker, Rosemarie Kümmel als seine Tochter rührte, wenn sie von ihrem auf See gebliebenen Bräutigam sprach. Hanna Christoffers als Pensionsinhaberin Marie Peters war resolut und manchmal recht unwirsch.

Wilfried Pampuch konnte nach einer Episode als Rocker in "Loop nich vörbi" jetzt als Cord Jaspers wieder den sympathischen Jungen von Nebenan spielen. Kurt Röthel als Ewald Precht, Reisender in Schmierölen, wirkte genauso glatt und ölig wie die Ware, die er vertrat. Klaus Aden in der etwas kleineren Rolle als Buchhalter Eggert Pannenburg durfte dagegen lieb und anständig sein.

Szenenbeifall bekamen vor allem Rika Jung als Hausgehilfin Kathrien und Enno Buss als Nachtwächter Jochen Schlarmann ein köstliches Paar. Wie Rika Jung als Kathrien das "Parfüm" entdeckt oder nach Schlüssellochguckerei Erkenntnisse von sich gibt, das war schon wahnsinnig komisch. Und Enno Buss, Nachtwächter mit "leicht kriminalistischer Ader", ist so pfiffig, ein solch ausgekochtes Schlitzohr, daß man einfach glaubt, er ziehe die verwickelten Fäden auseinander.

Mit dieser insgesamt hervorragenden Ensembleleistung und diesem gut geknobelten Stück von Karl Bunje wird die Niederdeutsche Bühne Rüstringen ihre Anhänger wieder begeistern.

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Katrin (Rika Jung) hätte auch gern so "wat Lütts hatt",  nun freut sie sich mit Lisbeth (Rosemarie Kümmel) und Theda (Luise Pampuch) - eine Szene aus "Peper un Solt" - Spielzeit 1973/74 -

"Peper un Solt" - gut gewürzt

Erfolgreiche Premiere der Niederdeutschen Bühne Rüstringen

Von Wilhelm Böhme

Mit dem Lustspiel "Peper un Solt" von Karl Bunje brachte die Niederdeutsche Bühne Rüstringen als weitere Inszenierung dieser Spielzeit wieder ein recht publikumswirksames Stück heraus. Bei der Premiere am Sonntagabend im Wilheimshavener Stadttheater erlebten die Freunde der plattdeutschen Mundart zwei köstlich vergnügte Stunden. Unter der Regie von Heino Aden gab es für die ausgezeichneten darstellerischen Leistungen des einsatzfreudigen Ensembles prasselnden Szenenbeifall und mehrere Vorhänge beim langanhaltenden Schlußapplaus. Dabei wäre die Premiere fast durch Erkrankung von Gerda Jörss geplatzt, wenn nicht Luise Pampuch in kurzfristiger Rolleneinstudierung in die Bresche gesprungen wäre.

Mit Erfolg. So wie der Titel des Stückes versprach, blieb bei der gelungenen Aufführung in jeder Beziehung "Peter un Solt" in allen drei Akten so gewürzt erhalten, daß dem Premierenpubikum vor Lachen über die urwüchsige Bauernkomödie die Augen tränten. Ausnahmslos hatten alle Akteure der Niederdeutschen Bühne Rüstringen durch die von ihnen glaubhaftt verkörperten dörflichen Typen ihren ebenbürtigen Anteil am großen Premierenerfolg. Nicht zuletzt verdient dabei auch das mit viel Einfühlungsvermögen von Hannes Kaebe gezeichnete Bühnenbild anerkennend herausgestellt zu werden.

Im turbulenten Bühnengeschehen spielt Hanna Christoffers die resolute Pensionsinhaberin, für die plötzlich die Welt nicht mehr in Lot ist, als sich unverhofft durch einen Säugling urkomische Situationen ergeben. Nicht schuldlos daran ist ihre Tochter, die von Luise Pampuch in natürlich erfrischender Anmut verkörpert wird. Sie ist die Verschworene ihrer mit Mutterglück gesegneten Freundin.Überzeugend gespielt von Rosemarie Kümmel. Den Poltergeist In der Pension, der zunächst nichts von seiner Opawürde wissen darf und als Fabrikant im Landmaschinenbau andere Sorgen hat, spielt in robust kerniger friesischer Art Hans Macker. Umwerfend komisch, in einer schalkhaften Paraderolle, weiß Enno Buss als Nachtwächter seine deftigen Akzente in diesern Bunje-Stück zu setzen.

Heiterkeitsausbrüche beim Premierenpubükum erregten allein schon die Dialoge mit der Haushälterin in der Pension, die in dösig-trampelhafter Weise von Rika Jung dargestellt wird. Als selbstbewußter, verliebter Handwerker tritt Wilfried Pampuch in der Komödie auf, während als Gegenpol in die fast bemitleidenswerte Haut einer schüchtern und demütigen Buchhalterseele Klaus Aden geschlüpft ist. Den heimlichen Schurken spielt in der "Peper-un-Sott"- Komödie Kurt Röthel, der als Reisender in Schmieröl den Premierengästen überzeugend eine schmierig-ölige Gesinnung demonstrierte,

Flitterweken (WE)

Oldenburgische Erstaufführung

FLITTERWEKEN

Lustspiel in drei Akten von Paul Helwig

Inszenierung: Gerhard Erfurt a.G.
Regieassistent: Karl-Heinz Herpel
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Inspizient: Berta Herpel
Requisiten: Klara Ihnen
Souffleuse: Erika Kaebe
Beleuchtung: Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
Ulla Witte - Gerda Jörss
Erich Stiebel - Heinrich Müller
Willi Helbrich - Karl-Heinz Herpel
Tina - Brigitte Halbekath
Sabine Senden - Roswitha Bertz

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v.l. Gerda Jörss, Heinrich Müller, Roswitha Bertz

Wilhelmshavener Zeitung

Wirklich fröhliche "Flitterwochen"

Gelungene Weihnachtspremiere der Niederdeutschen Bühne

von Barbara Schwarz

Zwei unbeschwert fröhliche Stunden hat die Niederdeutsche Bühne ihren Anhängern am zweiten Weihnachtstag geschenkt. Paul Helwigs Verwechslungskomödie "Flitterwochen" in einer Gemeinschaftsinszenierung von Gerhard Erfurt und Karl Heinz Herpel wirkte so frisch und flott, daß die Zeit wie im Fluge verging. Mit lang anhaltendem begeistertem Beifall dankte das Publikum allen Mitwirkenden. Diese Inszenierung, das ist sicher, wird garantiert eine der erfolgreichsten der Niederdeutschen Bühne in dieser Spielzeit.

Schuld an dem ganzen turbulenten Verwechslungsspiel ist Frau Senden, Mutter einer jungen Innenarchitektin Sabine. Sie fühlt sich schwer durch Willi Helbrich, Architekt, gekränkt, den sie zusammen mit der Tochter im Urlaub kennenlernte. Und die Tochter lernt ihn durch diese "Ramming" beim Kurkonzert noch besser kennen und schließlich so lieben, daß sie seine Frau werden will. Um jeden Preis.

Als die Mutter zur Kur ist, nutzt sie ihre Chance und heiratet ihn. Um aber der Mutter die Erlaubnis zur Heirat abzuschmeicheln, gibt sie im Brief per Foto einen anderen als ihren Bräutigam aus. Und das endet dann böse fast böse. Aber zum Happy End ist die Mutter dann doch mit dem richtigen Schwiegersohn einverstanden und der angebliche Angetraute der Tochter findet nach Schwierigkeiten endlich auch die Richtige, die Freundin der jungen Innenarchitektin.

Man ahnt das Ende zwar wie bei fast allen Komödien, aber bis es soweit ist, geschieht so manches und Heinrich Müller als angeblicher Ehemann Erich Striebel muß etliche saftige Ohrfeigen einstecken. Getragen wird die Komödie durch die Spielfreude aller Mitwirkenden. Roswitha Bertz spielt die patente Innenarchitektin Sabine frisch und weiblich. Gerda Jörss als ihre Freundin ist teilweise umwerfend komisch, vor allem, wenn sie an der ostfriesischen Sturheit ihres geliebten Erich Schier verzweifelt oder nach einer durchwachten, teilweise auch aus Verzweiflung durchzechten Nacht fast alle Hoffnung aufgibt. Heinrich Müller: Ideälbesetzung für diesen Berg von Sturheit, dieses Schlitzohr Erich Stiebel, diesen harmlosen Vertreter, der angeblich kein Wässerchen trüben kann.

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v.l. das Ensemble von "Flitterweken" - Gerda Jörss, Heinrich Müller, Brigitte Halbekath, Hildegard Steffens, Roswitha Bertz, Karl-Heinz Herpel

Karl Heinz Herpel spielt den netten Architekten und Frischangetrauten so mit beiden Beinen im Leben stehend; Hildegard Steffens ist die sportliche Schwiegermutter, die Ursache zu all der Aufregung. Brigitte Halbekath als liebe, aber einfältige Haushälterin, hat im Stück die dramaturgische Funktion der Stichwortbringerin, macht daraus aber eine richtig feine Studie.

Obwohl Gerda Jörss und Heinrich Müller, das komische Pärchen der Komödie, verdientermaßen besonders viel Beifall erhielten, muß man sagen, daß alle Mitwirkenden wirklich mit vollem Einsatz und viel Freude spielten, die auf das Publikum überging. Mit zum Erfolg beigetragen hat auch wesentlich wieder Hannes Kaebe, in dessen in frischen Farben gehaltenen Bühnenbild zum Fenster herein schimmerte ein Stück Alt Wilhelmshaven die Komödie abrollt.

Loop nich vörbi (UA)

dritte Gemeinschaftsinzenierung
Uraufführung

LOOP NICH VÖRBI

Schauspiel in neun Bildern von Klaus Meinert

Inszenierung: Dr. Viktor Warsitz a.G.
Planung: Willy Beutz
Bühnenbild: Hannes Kaebe
Inspizient: Günter Kühn

Rollen und Darsteller
Wanda, Hausfrau - Waltraud Bredfeldt, Oldenburg
Günter, ihr Mann - Arnold Cordsen, Brake
Horst, Jugendlicher - Norbert Pfeiffer, Brake
Heiko, Jugendlicher - Wilfried Pampuch, Jever
Vera, Jugendliche - Roswitha Bertz, Wilhelmshaven
Frl. Maaßen, Lehrerin - Ellen Beutz, Wilhelmshaven

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von links: Arnold Cordsen (Brake), Waltraud Bredfeldt (Oldenburg), Ellen Beutz (Wilhelmshaven) und Norbert Pfeifer (Brake)

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von links: Roswitha Bertz (Wilhelmshaven), Norbert Pfeifer (Brake) und Wilfried Pampuch (Jever)

Överraschungen an´n Abend (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

ÖVERRASCHUNGEN AN´N ABEND

Lustspiel in vier Akten von Franz Rauch

Inszenierung: Gerhard Erfurt a.G.
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Beleuchtung: Theo Pottbacker
Souffleuse: Hanna Christoffers
Inspizientin: Berta Herpel
Requisiten: Anke Weiß

Rollen und Darsteller
Helga Petermann, Angestellte - Rosi Kümmel
Lina, Angestellte bei Köhm-Kalli - Erika Kaebe
Willem Petermann, Angestellter - Klaus Aden
Krischan, Kippenmarder - Enno Buß
Tedje, de Spökenkieker - Karl-Heinz Herpel
Hein, der Schlingensäufer - Horst Jönck
Paul Andersen, Sohn von Hermann Andersen - Arnold Preuß
Kalli, "Köhm-Kalli" - Wilhelm Pick
Ein Matrose - Heinrich Müller
Hermann Andersen, Reeder - Kurt Röthel

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v.l. Arnold Preuß, Rosemaire Kümmerl

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Glänzender Auftakt der Spielzeit

Die Niederdeutsche Bühne mit "Överraschung an´n Abend"

von Heinz Hildebrandt

Die Niederdeutsche Bühne "Rüstringen" ist am Wochenende mit einem "Knüller" gestartet, der als glänzender Auftakt für die neue Spielzeit gelten kann. Franz Rauchs "Överraschung an'n Abend" wurde vom Publikum mit großer Freude und Begeisterung aufgenommen. Reicher Beifall galt allen Spielerinnen und Spielern, nicht zuletzt auch Gerhard Erfurt, dem Regisseur, dessen Mühe sichtbar und hörbar wurde.

Die heiter freundliche Geschichte mit der von einem Seehund und drei tüchtigen Seeleuten im Sturm geretteten "norske pike", mit Helga, ist so schlicht und schön, daß sie geradezu magisch anreizt, mit niederdeutscher Stimmung angereichert zu werden. So gelingt der Anfang in der Hafenkneipe am besten.

Hannes Kaebe hat ein vortreffliches Bühnenbild geschaffen, und drei trinkfreudige Sailors im Ruhestand beherrschen zusammen mit dem Schankwirt so intensiv das Geschehen, daß alle im Parkett und auf dem Rang angetan sind von der Dichte und Echtheit der Szenen. Enno Buß, Karl Heinz Herpel und Horst Jönck spielen das Seemannsterzett meisterhaft. Wilhelm Picks "KöhmKalli" könnte ausdrucksvoller kaum sein. Auch Heinrich Müller als Matrose, Erika Kaebe als Kallis dienstbarer Geist und das nette Liebespaar des Lustspiels Rosemarie Kümmel und Arnold Preuß tragen den 1. Akt, dessen Wirkung vorhalten muß.

Denn danach wechselt die Szene in das feudale Landhaus des reichen Reeders, wo zeitweilig auch Hochdeutsch gesprochen wird. Die Rolle des Reeders, dem das Norwegermädchen Helga zunächst nicht gut genug für seinen hoffnungsvollen Sprößling ist, bedarf eines besonders versierten Spielers, weil hier der Schlüssel zu der "Överraschung" liegt. So muß Kurt Röthel den Reeder doppelbödig bringen, damit die Überraschung total sein soll, und zwar für das glücklich liebende Paar und schließlich auch für das zweite Paar des Stücks, für Lina und Willem (Erika Kaebe und Klaus Aden).

Allen mit Recht gefeierten Darstellern ist eins gemeinsam: sie geben sich voll aus und erreichen eine beglücken de Verwirklichung der Absichten des Autors, der nichts anderes will als Freude und Unterhaltung schenken. An den bewährten Kräften der älteren Spielergeneration nehmen sich die jüngeren ein Beispiel. So gibt es eine geschlossene Leistung der "Elf" mit "Coach" Gerhard Erfurt. Das Spiel am Premierenabend endete siegreich, ohne Eigentor und ohne Abseits. Herzliche Glückwünsche den "Rüstringern"!

Das Ensemble: v.l. Arnold Preuß, Rosemarie Kümmel, Kurt Röthel, Horst Jönck, Heinrich Müller, Karl-Heinz Herpel, Enno Buß, Wilhelm Pick, Erika Kaebe und Klaus Aden

NORD-WEST-Zeitung

Eine recht heitere "Overraschung"

Gelungener Auftakt der Niederdeutschen Bühne Rüstringen

von Wilhelm Böhme.

Wilhelmshaven. Mit dem Lustspiel "Overraschung an'n Abend" von Franz Rauch eröffnete die Niederdeutsche Bühne Rüstringen ihre neue Spielzeit. Die Freunde der plattdeutschen Art erlebten bei der Premiere im Wilhelmshavener Stadttheater zwei köstlich vergnügte Stunden. Für das bereits bewährte Ensemble gab es auch in diesem amüsanten Vierakter wieder einmal Beifall auf offener Szene. Der überaus lebhafte Schlußapplaus des begeisterten Publikums erzwang bei der Premiere für den spielfreudigen Einsatz der Akteure mehrere Vorhänge.

Landesbühnen Schauspieler Gerhard Erfurt zeigt in seiner Regie ein gutes Einfühlungsvermögen. Mit leichter Hand weiß er in dieser Komödie das Ensemble selbst über handlungsarme Szenen zu leiten und in vielen kleinen Pointen den Uberqang zu einem spritzig heiteren Schlußakkord im Bühnengeschehen zu finden. Es geht in diesem niederdeutschen Lustspiel um ein inzwischen herangereiftes Findelkind, das aufgewachsen ist zwischen derb gutmütigen Seeleuten, die in einer Hafenkneipe dann über die Zuneigung ihrer "seuten Deern" zu einem Reedersohn ins Philosophieren geraten.

Bei "Köhm Kalli", dargestellt von Wilhelm Pick, fängt die ergötzliche Geschichte an. Der schon in vielen plattdeutschen Theaterrollen erprobte Laienspieler versteht es auch hier, völlig in die Haut eines Hafenkneipenwirtes zu schlüpfen und selbst aus einer recht wortkargen Art heraus Heiterkeitsausbrüche zu erwecken. Ihm zur Thekenseite steht als seine Hilfe Erika Kaebe. Resolut und glaubhaft in der von ihr demonstrierten Schlagfertigkeit mit einem "Schuß Herz" meistert sie auch in diesem Bühnenspiel wieder alle an sie gestellten Anforderungen.

Eingespannt wird sie dabei von Rosemarie Kümmel, die in überzeugender Natürlichkeit bei dieser "Överraschung an'n Abend" das Findelkind spielt. Charme und Anmut strahlt sie in den von ihr verlangten Verwandlungsszenen in eindrucksvoller Gestaltung aus. Den in sie verliebten Reedersohn verkörpert Arnold Preuß. Als Nachwuchsdarsteller bei der Niederdeutschen Bühne Rüstringen stellt dieser sich erstmals dem Publikum vor. Er verstand es, sich in seinem Part durchzusetzen.

Kurt Röthel weiß in diesem Lustspiel die Rolle des Reeders selbstgefällig und am Ende erhaben über weibliche List darzustellen. Umwerfend, bewußt dösig, fungiert hierbei Klaus Aden als sein Angestellter. Zu einem mitreißenden Vergnügen wird jedoch besonders der große Bühnenspaß durch die drei Köhmbrüder, die Enno Buß als Kippenmarder, Karl-Heinz Herpel als Spökenkieker und Horst Jönck als Schlingensäufer in zwerchfellerschütternden Typen parodieren. Als Matrose spielt dazu noch mit dem Schifferklavier Heinrich Müller auf, der mit seinen Getreuen aus der Kneipe auch das Publikum zum Taktschlagen herausforderte.

Eine empfehlenswerte Aufführung mit stilvollen Bühnenbildern von Hannes Kaebe und ein guter Start der Niederdeutschen Bühne in die neue Spielzeit, um weitere Freunde für das plattdeutsche Theater zu erobern.

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Mit 'alle Mann' auf den kleinen Matrosen (Heinrich Müller), von links Wilhelm Pick, Rosemarie Kümmel, Enno Buß, Karl-Heinz Herpel und Horst Jönck  - eine Szene aus "Överraschung an´n Avend" - Spielzeit 1973/74

Ostfriesen-Zeitung vom 11. Januar 1974

Die Niederdeutsche Bühne erfreute

Das Lustspiel "Överraschung an´n Abend" begeisterte und wird wiederholt

W i e s m o o r. Die Niederdeutsche Bühne Wiesmoor, die jetzt 20 Jahre dem Niederdeutschen Bühnenbund angehört und hier schon mit so mancher Aufführung erfreut hat, mußte zwar im vergangenen Jahr pausieren, weil ihr einige erforderliche Charakterdarsteller fehlten, doch hatte sie am Mittwochabend die Niederdeutsche Bühne Rüstringen, die mit dem Stadttheater Wilhelmshaven verbunden ist, zu einem Gastspiel nach Wiesmoor eingeladen.

Als Sprecher der Wiesmoorer Spoeldeel konnte dazu Rektor Eilers im Torfkrug auch den Präsidenten des Niederdeutschen Bühnenbundes, Willy Beutz aus Wilheimshaven, begrüßen. Eilers appellierte an alle Freunde des plattdeutschen Spiels, die selbst Lust zum Mitspielen haben, sich bei der Spoeldeel anzumelden.

Die Gäste aus Wilhelmshaven führten in Wiesmoor das vieraktige Lustspiel "Överraschung an'n Abend" von Franz Rauch auf und boten damit über den Inhalt des Stückes hinaus den Besuchern des Theaterabends allein schon durch ihre treffliche Spielweise und das gelungene Bühnenbild eine Überraschung. Die Handlung des unterhaltsamen Stückes spielt in den ersten Akten in einer kleinen norddeutschen Hafenkneipe, mit einfachen Mitteln doch recht typisch eingerichtet, selbst die Strichtafel über der Theke fehlt nicht. Die letzten Akte spielen sich in den Räumen eines Landhauses ab, bei dessen gekonnter Gestaltung die enge Beziehung der Bühne zum Stadttheater Wilhelmshaven offenbar wurde.

Um was es in der Handlung ging, kann der "Överraschung" wegen hier nur angedeutet werden. Vor allem geht es um das Liebesglück der einfachen, aber liebenswerten Angestellten Helga (Rosemarie Kümmel) mit dem Reederssohn Paul Andersen (Nachwuchsdarsteller Arnold Preuss), dem sich durch gesellschaftliche Voreingenommenheit und eigene Liebeswege des väterlichen Reeders (Kurt Röthel) einige Schwierigkeiten entgegenstellen. Es ist köstlich zu erleben, wie diese Schwierigkeiten durch mancherlei Listanwendung und mit viel deftigem Humor unter Mitwirkung des urwüchsigen Hafentrios Kippenmarder Krischan (Enno Buss), Spökenkieker Tedje (Karl Heinz Herpel) und Schlingensäufer Hein (Horst Jönck) mit Bravour überwunden werden.

Mit von der Partie sind der Kneipier Köhm Kalli" (Wilhelm Pick), dessen treffliche Angestellte Lina (Erika Kaebe), ein Schifferklavier spielender Matrose (Heinrich Müller) und der Reeder-Angestellte Willem Peterrnann (Klaus Aden). Dabei waren es vor allem immer wieder die als herrliche Hafentypen charakterisierten Darsteller des verschlagenen Krischan, des alles unzweifelhaft vorausahnenden Tedje und des verschmitzt Unmengen Alkohols verschlingenden Hein, die im Torfkrug helle Begeisterung hervorriefen. Mit ihrer Nennung sollen jedoch die Leistungen der übrigen Mitwirkenden nicht herabgesetzt werden.

Nicht zu unterschätzenden Anteil am guten Erfolg der Aufführung, die sich auch durch eine gute Beherrschung der plattdeutschen Sprache auszeichnete, hatte Gerhard Erfurt, bekannt von der Landesbühne, der meisterhaft Regie führte. Für das schon lobend erwähnte Bühnenbild zeichnete Hannes Kaebe verantwortlich, als (sicher kaum benötigte) Souffleuse agierte Hanna Christoffers. Inspizientin war Berta Herpel. Bleibt nach dem großen Beifall zu hoffen, daß die Wiederholungsaufführung am 16. Januar im Torfkrug einen vollbesetzten Saal hat.

Thea Witt maakt nich mit (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

THEA WITT MAAKT NICH MIT

Lustspiel in drei Akten von Jens Exler

Inszenierung: Heino Aden
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Beleuchtung: Theo Pottbacker
Souffleuse: Hanna Christoffers
Inspizientin: Berta Herpel
Requisiten: Anke Weiß
Tontechnik: Arnold Preuß

Rollen und Darsteller
Thea Witt, Witwe und Inhaberin der Gastwirtschaft "Zur alten Mühle" - Erika Kaebe
Peter Witt, ihr Enkel - Wilfried Pampuch
Momme Mogens, pensionierter Gemeindediener - Enno Buß
Martin Bollmann, Bürgermeister und Fleischwarenfabrikant - Wilhelm Pick
Frauke Bollmann, seine Tochter - Luise Pampuch
Carola Ganowski, ein Sommergast - Brigitte Halbekath
Jochen Hasselmann, ein Sommergast - Hans Macker
Irmgard Hasselmann, seine Tochter - Roswitha Bertz


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Fro Ganowski (Brigitte Halbekath) hett´n beten Pien, aber Irmgard (Roswitha Bertz), Thea Witt (Erika Kaebe) und Momme Mogens (Enno Buß) wissen zu helfen  - eine Szene aus "Thea Witt maakt nich mit" - Spielzeit 1972/73 -

Spektakel in Kleihörn (2. WA)

2. Wiederaufführung (3), davor 1949/50 und 1958/59 gespielt

SPEKTAKEL IN KLEIHÖRN

(DE VOSS IN DE FALL)
Lustspiel in drei Akten von Karl Bunje

Inszenierung: Hajo Freitag a.G.
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Beleuchtung: Theo Pottbacker
Souffleuse: Brigitte Halbekath
Inspizientin: Berta Herpel

Rollen und Darsteller
Hinnerk Brau, Bauer und Ziegeleibesitzer - Enno Buß
Käthe, seine Tochter - Gerda Jörss
Anthrin Frers, Wwe. - Hanna Christoffers
Gesche Slumps, Haushilfe bei Brau - Rika Jung
Anny Folkerts, Hausmädchen bei Brau - Rosemarie Kümmel
Folkert Folkerts, Ziegeleiarbeiter bei Brau, Annys Vater - Heino Aden
Krischan Stuhr, landwirtschaftlicher Gehilfe bei Brau - Günter Boye
Theo Baak, Bauingenieur - Friedrich Müller
Jan Mullfoot - Horst Jönck
Magnus Stindt - Kurt Röthel


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Hinnerk Brau (Enno Buß) bringt erwt einmal Schwung in die Abwascherei der Damen (v.l. Rosemarie Kümmel und Rika Jung) . Hinten kommt erfreut Tochter Käthe (Gerda Jörss) dazu - eine Szene aus "Spektakel in Kleihörn " - Spielzeit 1972/73 -

Twee Engels (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

TWEE ENGELS

Lustspiel von Janne Furch
Niederdeutsche von Günther Siegmund

Inszenierung: Willy Beutz

Rollen und Darsteller :
Mary Brinkmann - Ellen Beutz
Trude Engel (Doppelrolle) - Ellen Beutz
Bessie, ihre Tochter - Rosemarie Kümmel
Willy Schünzel - Heino Aden
Klaus Mönkeberg - Kurt Röthel
Psychotherapeut Dr. Schäfer - Heinrich Müller


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Heinrich Müller als Psychotherapeut Dr. Schäfer und Ellen Beutz als die französische Zwillingsschwester Mary Brinkmann - eine Szene aus "Twee Engels" - Spilelzeit 1972/73 -

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 28. Dezember 1972

Schwierigkeiten mit leichter Muse

Niederdeutsche Bühne Rüstringen spielte die "Twee Engels"

Von Barbara Schwarz

Die leichte Muse ist nur eine scheinbar leichte. Und es ist weniger schwierig, ein Drama zu inszenieren, als ein Boulevardstück so auf die Bretter zu bringen, daß es keine Längen hat, sondern witzig, spritzig und amüsant ist. In die Gattung der Boulevard Komödien gehört auch "Twee Engels" von Janne Furch, ein Stück, das von Günther Siegmund, Intendant des Hamburger Ohnsorg Theaters, ins Plattdeutsche übertragen wurde; ganz offensichtlich, weil die Doppelrolle der Trude Engel/Mary Brinkmann für den Zugstar des Ohnsorg Theaters, Heidi Kabel, eine Glanzrolle zu sein schien.

Aber schon die Aufführung des Ohnsorg Theaters in Hamburg zeigte, daß Stück, Doppelrolle - Grete Weiser auf den Leib geschrieben - und die spritzigen Dialoge und Monologe allein schon durch die Übertragung in die plattdeutsche Sprache an Tempo verloren, betulich wurden. Die Niederdeutsche Bühne Rüstringen hatte sich mit der Inszenierung der "Twee Engels", Regie Willy Beutz, eine zwar reizvolle, aber doch sehr schwierige Aufgabe gestellt, eine Aufgabe, an der auch Profis scheitern können. Das ganze Verwechslungsspiel um Mutter und Tochter Engel sowie Mutter Engels Zwillingsschwester Mary zog sich denn sehr zähflüssig hin.

Ellen Beutz in der Doppelrolle Trude Engel/Mary Brinkmann, Rosemarie Kümmel als ihre erfolgreiche Tochter Bessie, Heino Aden als Willy Schünzel und Kurt Röthel als Klaus Mönkeberg gaben ihr Bestes, aber solche Rollen erfordern ganz einfach schauspielerische Ausbildung, nicht nur Spieltalent. Heinrich Müller, einer der talentiertesten Spieler der Niederdeutschen Bühne, überchargierte den Psychotherapeuten Dr. Schäfer. Und Sächsisch im plattdeutschen Spiel, dazu in vielen Partien Hochdeutsch was bleibt da noch vom Niederdeutschen? Meiner Meinung nach täte die Niederdeutsche Bühne sich und ihren Freunden einen größeren Gefallen, wenn sie sich auf wirkliche niederdeutsche Lustspiele konzentrierte.

Gewiß ist es schwierig, jedes Jahr eine genügende Anzahl neuer Stücke zu finden, die spielbar und unterhaltsam sind. Aber das übliche Unterhaltungstheater sollte man doch besser der Landesbühne oder anderen Profi-Ensembles überlassen. Aufgabe der Niederdeutschen Bühnen ist meiner Meinung nach vor allem die Pflege des Plattdeutschen und der Volksstücke, die in dieser Sprache original geschrieben wurden. Darauf sollte man sich beschränken, auch wenn es dann nach einigen Jahren Wiederholungen gibt. Das Publikum verändert sich, wird jünger. Und auch eine heutige Inszenierung von Hinrichs' Komödie "Wenn de Hahn kreiht" um nur ein Beispiel zu nennen wird nicht der vor zehn Jahren gleichen. Und darum freue ich mich, daß als nächste Inszenierung wieder einmal ein Lustspiel von Karl Bunje "Spektakel in Kleihörn" auf dem Spielplan der Niederdeutschen Bühne Rüstringen steht.

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Auch ein Schluck Sekt, fragt der französische Teil der Zwillingsschwestern Mary Brinkmann (Ellen Beutz)? Dankend ablehnend vom Psychiater Dr. Schäfer (Heinrich Müller), obwohl Willy Schünzel (Heino Aden) bereit steht. Miteinander turteln rechts Bessie (Rosemarie Kümmel) und Klaus Mönkeberg (Kurt Röthel) - eine Szene aus "Twee Engels" - Spielzeit 1972/73 -

Leserbrief in der WZ vom 5.1.1973

Zwei heitere Stunden

Ich habe mich schon oft gefragt, warum wohl eine Theaterkritik so grundverschieden von der Resonanz des Publikums sein muß. Gewiß, der Kritiker betrachtet ein Stück unter anderen Aspekten - professionell sozusagen - , aber darf er dabei die Wirkung eines Stückes auf das Publikum, für das es ja letzten Endes gespielt wurde, völlig ignorieren? Auch im Falle der "Twee Engels" konnte ich in der Zeitung wieder einmal nachlesen, daß ich und viele meiner Bekannten (und der weitaus größte Teil der recht angetanen Premierenbesucher des 2. Weihnachtstages) mit unserem "Volksempfinden" wieder einmal völlig schief" lagen.

Die Niederdeutsche Bühne bereitete ihrem Publikum wiederum zwei amüsant heitere Stunden, die es am Schluß dankbar mit anhaltendem Beifall quittierte. Davon wird in der Kritik gar nichts erwähnt. Dagegen finde ich den Hinweis auf sogenannte klassische Trude Engel Darstellerinnen, wie beispielsweise Grete Weiser, absolut unangebracht, denn wer geht schon in ein niederdeutsches Theater in der Absicht, dort eine Pseudo Grete Weiser anzutreffen? Der von der Kritik so geschmähte Psychotherapeut, Dr. Schäfer, wurde vom Publikum doch sogar spontan mit Szenenbeifall bedacht.

Und daß in einem plattdeutschen Stück streckenweise da, wo es hingehört auch einmal Hochdeutsch gesprochen wird, werden sicher all die ebenfalls am Mundartlichen interessierten, aber des Niederdeutschen nicht ganz mächtigen Besucher der besseren Verständigung wegen dankbar vermerkt haben. Warum sollte einer Niederdeutschen Bühne nicht gestattet sein, worauf so prominente Bühnen wie das OhnsorgTheater oder der Komödienstadl nicht verzichten wollen ein breiteres und jüngeres Publikum anzusprechen und Volksgut (also die plattdeutsche Sprache) dem "Volke" nahezubringen? Schließlich spielt doch "Twee Engels" im Hamburger Raum, wo bekanntlich noch in allen Bevölkerungsschichten sehr viel plattdeutsch gesprochen wird.

Boulevard -Theater oder nicht "Twee Engels" war ein schöner Publikums Erfolg für die Niederdeutsche Bühne "Rüstringen"!
Annemarie Best
Schulstraße 76

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Auch hier turteln miteinander Rosemarie Kümmel und Kurt Röthel  als jugendliches Liebhaberpaar - eine Szene aus "Twee Engels" - Spielzeit 1972/73 -

Leserbrief in der WZ vom 16. Januar 1973

Eine echte Überraschung

Die herbe Premierenkritik, mit der die Inszenierung "Twee Engels" der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen" bedacht wurde, blieb nicht unwidersprochen. Unter der Überschrift "Zwei heitere Stunden" erfolgte die Entgegnung aus der Sicht einer Theaterbesucherin. Vorbelastet durch die meinungsbildende Kritik der Rezensentin gestaltete sich das Erlebnis der von mir besuchten Aufführung zu einer echten Überraschung. Dem in der Leserzuschrift Gesagten kann ich voll zustimmen und auf die wiederum positive Aufnahme des Stückes beim Publikum hinweisen.

Die Aufführung und das Stück selbst veranlassen jedoch auch mich, zu zwei in der Kritik geäußerten Ansichten Stellung zu nehmen: Ich vermag nicht einzusehen, weshalb "solche Rollen ganz einfach schauspielerische Ausbildung und nicht nur Spieltalent" bedürfen. Wenn es nach Meinung der Rezensentin "übliches Unterhaltungstheater" sei und somit "doch besser der Landesbühne oder anderen Profi Ensembles" überlassen werden solle? Diese, die Stückwahl betreffende Kritik halte ich nicht für richtig. Warum soll ein aus dem Hochdeutschen übertragenes Stück ein Fehlgriff sein, da doch die Thematik des Stückes "Twee Engels" dem Plattdeutschen durchaus entgegenkommt. Anläßlich des 40jährigen Bestehens der Niederdeutschen Bühne "Rüstringen" ist immer wieder betont worden, neben der Pflege niederdeutschen Brauchtums und plattdeutscher Sprache den Besuchern Unterhaltung und heitere Theatererlebnisse zu vermitteln. Das ist mit dieser Inszenierung erfreulich gelungen.

Dr. Ernst Jürgen Kähler
Am Neuender Busch 28

Leserbrief in der WZ vom 26. Januar 1973

Von hervorragenden Leistungen angetan

Nach der eigenartigen, manchmal fast unsachlichen und auch unfairen Kritik von Barbara Schwarz über die Komödie ..Twee Engels" in der Wilhelmshavener Zeitung vom 28. Dezember 1972 habe ich trotzdem mit meiner Familie die Vorstellung am 13. Januar besucht. Verständlich, daß nach der oben angezeigten Kritik die Stimmung nicht gerade "theaterfreundlich" war. Um .so größer war unsere Freude über die dargebotene Leistung der einzelnen Künstler, wobei wirklich nicht nur Talent der tragende Faktor war. Gewiß spielt die langjährige Bühnenerfahrung der Regie und der Darsteller eine große Rolle. Daß es aber ohne schauspielerische Ausbildung aber mit Talent auch geht, hat diese hervorragende Aufführung bewiesen.

Außerordentlich bedauerlich finde in der Kritik den "Vergleich Heidi Kabel - Grete Weiser - Eilen Beutz. Das war wenig überzeugend. Wir waren Gast einer Niederdeutschen Bühne und wir sind alle von den hervorragenden Leistungen "unserer" Zwillingsschwestern Engel sehr angetan. Zu begrüßen waren die wenigen sächsischen Einlagen des Dr. Schäfer, die für eine willkommene Auflockerung sorgten. Im übrigen gehe ich mit den Ausführungen im Leserbrief von A. Best in der Ausgabe der WZ vom 5. Januar vollkommen konform. Mir bleibt nur übrig, auf die wirklich guten Leistungen aller Mitwirkenden vom Regisseur bis zum letzten Helfer hinter der Bühne mit besonderem Dank hinzuweisen.

Daß die Niederdeutsche Bühne ihre Aufgabe für die Pflege des Plattdeutschen mit "Twee Engels" sinnvoll und gelungen erweitert hat, ist mit Dankbarkeit und am 13. Januar von den Besuchern des gutbesuchten Hauses wiederholt mit Beifall auf offener Szene und mit großem Applaus am Ende der Vorstellung belohnt worden. Auch wir freuen uns - wie die Kritikerin im letzten Absatz zum Ausdruck gebracht hat, auf ein weiteres Lustspiel, und zwar "Spektakel in Kleihörn" von Karl Bunje. Gespannt sind wir darauf, ob die Kritik sich dann den Meinungen der sicherlich wieder zahlreich anwesenden Besucher etwas nähern wird.

Harm Martens
Mühlenweg 126

Swattbunte Farken (2. WA)

2. Wiederaufführung (3), davor 1950/51 und 1955/56 gespielt

SWATTBUNTE FARKEN

Lustspiel in drei Akten von Jens Exler

Inszenierung: Heino Aden

Rollen und Darsteller:
Erika Kaebe
Jörn Bessenbinner - Günter Boye
Enno Buß
Wilhelm Pick

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Sie spielen zwei ganz plietsche Exemplare: Günter Boye und Wilhelm Pick  - in einer Szene aus "Swattbunte Farken" - Spielzeit 1972/73 -

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Sie fühlen sich wohl auf dem Hof: Erika Kaebe, Enno Buß und Günter Boye - eine Szene aus "Swattbunte Farken" - Spielzeit 1972/73 -

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...und bist du nicht willig, so steck ich dich in die Tonne,  so dachte wohl Erika Kaebe und setzte Enno Buß mit´n Achtersten in de Regentünn  - eine Szene aus "Swattbunte Farken" - Spielzeit 1972/73 -

Kruut gegen den Dood (WE)

40 jähriges Bühnenjubiläum

Wilhelmshavener Erstaufführung

KRUUT GEGEN DEN DOOD

Märchenspiel von Hans Heitmann

Inszenierung: Wolf Rathjen a.G.
Bühnenbild: Hannes Kaebe
Frisuren und Perücken: Helmut Rudolf Kunze

Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Brigitte Halbekath
Beleuchtung: Theo Pottbacker
Tontechnik: Peter Otten

Rollen und Darsteller
Erzähler, Herrgottstimme - Willy Beutz
Tod - Karl-Heinz Herpel
Teufel - Günter Boye
Mutter - Ellen Beutz
Vater - Heino Aden
Junge, später Doktor - Hajo Freitag (a.G. von der August-Hinrichs-Bühne)
Mädchen, später seine Frau - Agda Tauscher
Steffen, Tagelöhner - Enno Buß
Nachbarin - Hanna Christoffers
Senator - Hans Macker
Senatorin - Erika Kaebe
Stine, Magd - Hildegard Steffens
Wirt - Wilhelm Pick
Fährmann - Waldemar Schröder


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Der Doktor (Hajo Freitag) steht zwischen Teufel (Günter Boye) und Tod (Karl-Heinz Herpel) - eine Szene aus "Kruut gegen den Dood" - Spielzeit 1972/73 -

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Der Doktor (Hajo Freitag) am Totenbett des Mädchens (Agda Tauscher). Dabei auch noch der Tod (Karl-Heinz Herpel) und Steffen (Enno Buß) der Tagelöhner - eine beeindruckende Szene "Kruut gegen den Dood" - Spielzeit 1972/73 -

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De Jung (Hajo Freitag) , de Deern (Agda Tauscher) und Steffen (Enno Buß) in eine Szene aus "Kruut gegen den Dood" - Spielzeit 1972/73 -

Dat Spöökhuus (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DAT SPÖÖKHUUS

Lustspiel in drei Akten von Konrad Hansen

Inszenierung: Willy Beutz
Bühnenbild: Hannes Kaebe
Frisuren und Perücken: Helmut Rudolf Kunze


Inspizientin: Berta Herpel
Souffleuse: Rika Jung
Beleuchtung: Theo Pottbacker

Rollen und Darsteller
Hermann Kohrs, Obersekreträr i.R. - Hans Macker
Emil Kohrs, sein Sohn - Heinrich Müller
Greten Bruhns - Gerda Jörss
Gerd, Landstreicher - Wilfried Pampuch a.G.
Der Graf, Landstreicher - Günter Boye
Krischan, Landstreicher - Heino Aden
Lieschen Lange - Hildegard Steffens, Brigitte Halbekath
Wachtmeister - Wilhelm Pick


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De Graf (Günter Boye), Gerd (Wilfried Pampuch) und Krischan (Heino Aden) haben sich versteckt - eine Szene aus "Dat Spöökhus" - Spielzeit 1971/72 -

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 Lieschen Lange (brigitte Halbekath) im Gespräch mit Hermann Kohrs (Hans Macker) - eine Szene aus "Dat Spöökhus" - Spielzeit 1971/72 -

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Nun debattieren sie (v.l. Günter Boye, Wilfried Pampuch und Heino Aden) , was sie hier machen wollen - eine Szene aus "Dat Spöökhus" - Spielzeit 1971/72 -

Opa ward verköfft (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

OPA WARD VERKÖFFT

Lustspiel in drei Akten von Franz Streicher

Inszenierung: Willy Beutz
Bühnenbild: Hannes Kaebe

Souffleuse: Brigitte Halbekath
Inspektion: Berta Herpel
Beleuchtung: Theo Pottbacker
Frisuren und Perücken: Rudolf Helmut Kunze

Rollen und Darsteller:
Hannes Kulenkamp, Bauer - Enno Buß
Schorsch, sein Sohn - Horst Jönck
Opa -
Heino Aden
Katrin, Hausgehilfin - Erika Kaebe
Peter Fiesebarg, Bauer - Wilhelm Pick
Hanni, seine Frau - Hanna Christoffers
Eva, ihre Tochter - Gerda Jörß
August, Landwirtschaftsgehilfe - Klaus Aden

Opa (Heino Aden) freut sich, Eva (Gerda Jörss) und Schorsch (Horst Jönck) verstehen sich gut, Fiesebarg (Wilhelm Pick) ist auch (noch) zufrieden  - eine Szene aus "Opa ward verköfft" - Spielzeit 1971/72 -

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Heino Aden - ein plietscher Opa

Niederdeutsche Bühne spielt einen bekannten Bauernschwank

Von Barbara Schwarz

Opa hat zwar schon eine Menge Jahre auf dem Buckel, aber er läßt keine Möglichkeit aus, anderen einen Streich zu spielen. Und so manche Fensterscheibe, so mancher gute Teller, ja selbst Fässer voller Wein gehen dabei in Dutt. Doch alles macht dem Opa gar nichts aus. Kein Wunder, daß seine Familie auf ihn nicht gut zu sprechen ist. Und als eines Tages ein mieser Erbschleicher den Opa kaufen will, um an Opas beide Häuser von denen die Familie nichts weiß heranzukommen, nimmt Schwiegersohn Kulenkamp die Gelegenheit wahr: Opa ward verköfft. Für tausend Mark.

Aber Erbschleicher Fiesebarg und seine Frau Hanni haben nicht mit Opas List und Tücke gerechnet. Und so schneiden sie sich denn gewaltig in die Finger. Opa macht ihnen die Hölle heiß und die Erbschaft bekommt sein Enkel Schorsch, der damit endlich seine geliebte Eva, die Tochter der miesen Fiesebargs, heiraten kann. Ursprünglich ist dieser Schwank von Franz Schleicher, der im bürgerlichen Leben Anton Hamik hieß und Schauspieler in Graz war, ein Paradestück bayrischer Dorfbühnen gewesen. Dr. Richard Ohnesorg übertrug den traditionellen Bauernschwank, der in viele andere Mundarten und Sprachen übersetzt wurde, ins Plattdeutsche.

Einige Ungereimtheiten entstanden dadurch, allerdings mehr äußerlicher Art. So z. B. trinkt Opa auf dem niederdeutschen Bauernhof Wein, und das noch aus einem Faß. Gewiß keine niederdeutsche Sitte. Bekanntlich halten es die Opas hierzulande mehr mit ostfriesischem Landwein. Auch ihre Flüche klingen etwas anders. Aber trotz allem war Heino Aden ein so unverfälscht niederdeutscher Opa, mit all seiner friesischen Pfiffigkeit und seinem hintergründigen Humor. daß man sich ihn schwer irgendwo anders vorstellen kann. Enno Buß, als sein Schwiegersohn und Bauer Kulenkamp bringt das Schlitzohrige gut heraus. Horst Jonck als sein Enkel Schorsch wirkt sehr sympathisch.

Wilhelm Pick als Erbschleicher Fieseberg stellt so einen richtigen fiesen Kerl auf die Bretter, Hanna Christoffers spielt überzeugend seine ehrgeizige Frau. Ganz reizend ist Gerda Jörß als beider Tochter Eva. Sie spielt ihre Rolle mit Witz und Charme. Erika Kaebe als geplagte Hausgehilfin Katrin zeigt, daß sie außer einer scharfen Zunge noch Herz hat. Klaus Aden spielt ihren Bruder August mit Pfiff. "Opa ward verköfft", das 1961 im Kino mit Hans Moser und Hubert v. Meyerinck und später in derselben Besetzung im Fernsehen viele erfreute, wird auch in der niederdeutschen Version gefallen. Einige Kürzungen täten dem Schwank vor allem vor der Pause, aber auch gegen Ende sicher noch gut.

Katrin (Erika Kaebe) wird von Opa (Heino Aden) ganz schön getriezt  - eine Szene aus "Opa ward verköfft" - Spielzeit 1971/72 -