Nette Pasteten (1. WA)

1. Wiederaufführung (2.), davor 1980/81 gespielt

NETTE PASTETEN

(Frikadellen)
Schwank in drei Akten von Erich Hagemeister
Neufassung von Günther Siegmund

Inszenierung: Jürgen Tapken
Bühnenbild: Jürgen Tapken

Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Julius Schumann
Bühnentechnik: Günter Neverla, Horst Vollbrecht
Bühnenmaler: Herbert Ulbricht
Requisiten: Monika Eilers
Inspizient: Klaus Panka
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Souffleuer: Günter Boye

Rollen und Darsteller
Karl Burmann, pensionierter Beamter - Horst Jönck
Anna, seine Frau - Herta Tapken
Lotte, beider Tochter - Christel Dörnath
Ida Schöppmeier, Karl´s Schwester - Hanna Christoffers
Johannes Melk, Sohn eines Fischgroßhändlers - Ingo Folkers
Ernst Schultendörp, Student der Theologie - Thorsten Könnecke
Aurora, Hausgehilfin bei Burmann - Margita Pust
Dr. Behrbohm, Tierarzt - Claus Miehlke
Wachtmeister Schult - Friedrich Müller

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 20.November 1998

Nette Pasteten und ungenießbare Verwandte

Neuer Schwank der Niederdeutschen Bühne ein heiterer Lichtblick in dunkler Jahreszeit

Von Doris Wilkens

Mit dem Schwank in drei Akten „Nette Pasteten" von Erich Hagemeister sorgte die Niederdeutsche Bühne wieder einmal für beste Stimmung. Unter der Leitung von Jürgen Tapken als Regisseur gelang ein flotter Spielablauf. Der geizige Karl Burmann (Horst Jönck) feiert an einem heißen Sommertag seinen Geburtstag. Statt der erwarteten Pasteten bringt der Gastgeber eine große Menge nicht mehr ganz frischer Frikadellen auf den Tisch. Seine Frau (Hertha Tapken) hatte sich mit ihren Bedenken wieder einmal nicht durchsetzen kön­nen. In der Tageszeitung steht ein aktueller Bericht über eine Fleischvergiftung mit To­desfolge für Mensch und Tier. Daraufhin muß der Hofhund Phylax eine Frikadelle fut­tern; doch er überlebt den Test. Um den Geizhals zu schädigen, greifen die Geburtstagsgäste, u. a. Burmanns Schwester und Erbtante Ida (Hanna Christoffers), reichlich zu. Es kommt zu einem Streit, als deutlich wird, daß Burmann seine Tochter Lotte (Christel Dörnath) gegen ihren Willen mit dem wohlhabenden Heringskaufmann Johannes Melk (Ingo Folkers) verloben will. Lotte aber hat ihr Herz an den armen Theologie-Studenten Ernst (Thorsten Kön­necke) verloren.

Die Völlerei bleibt nicht ohne Folgen, mehrere Teilnehmer der Geburtstagsrunde überkommt ein großes Unwohlsein. Besonders betroffen ist die Erbtante Ida; und bei ihrem Ableben ginge es schließlich um einen großen zu vererbenden Bauernhof. Dramatisch wird es, als der Hofhund tot aufgefunden wird. Da der Hausarzt nicht erreichbar ist, wird der Tierarzt Dr. Behrbohm (Claus Miehlke) gerufen. In der Stunde des vermeintlichen Endes aller, die von den fraglichen Frikadellen gegessen hatten, will jeder möglichst elegant seine kleinen und großen Sünden beichten und reinen Gewissens von dieser Welt gehen. Aus der zerstrittenen Verwandtschaft wird schnell eine heile Familie.

Wachtmeister Schult (Friedrich Müller) kommt ins Haus, die Eheleute Burmann vermuten eine Anzeige für die von ihnen verursachte Vergiftung. Die kreuz und quer verwobenen Mißverständnisse gehen weiter. Das ist noch ein abgegebener Brief an Burmann, welcher in der Hitze des Gefechtes achtlos beiseite gelegt wird. Es entsteht eine neue Verstrickung. Die zunächst zickige Tante Ida hält die Fäden in der Hand, nimmt sich die guten Bibelworte des Theologie-Studenten zu Herzen und bringt durch ihre kluge Entscheidung das Glück in die ganze Familie zurück. Der egoistische Herr Melk bleibt dabei auf der Strecke.

Mit anhaltendem Beifall würdigte das Publikum die Leistungen der Akteure. Die verschiedenen Rollen sind gut besetzt. Da sind zu nennen Horst Jönck, routiniert und überzeugend als stets nörgelnder Gastgeber Burmann, seine ihm treu ergebene Ehefrau Anna (Hertha Tapken) in ihrer ruhigen und ausgeglichenen Spielweise. Schwung auf die Bühne bringt Hanna Christoffers als Ida, die sich in ihrer resoluten Art stets Gehör verschafft. Auch das junge Paar Lotte (Christel Dörnath) und Ernst (Thorsten Könnecke) wirkt sympathisch. Ingo Folkers in seiner ersten großen Rolle verkörpert den Fiesling Johannes Melk überzeugend. Der Hausangestellten Aurora (Margitta Pust) kann man gratulieren zu ihrem gelungenen Debüt. Dem Claus Miehlke als weinseliger Viehdoktor Behrbohm sitzt der Schalk im Nacken, und er hat dadurch die Lacher auf seiner Seite. Wachtmeister Schult, gespielt von Friedrich Müller, verleiht dem Geschehen eine amtliche Note.

Eine sehenswerte Aufführung: gerade das Richtige zum Lachen und Aufmuntern in dieser tristen Jahreszeit. Die Mitwirkenden würden sich sicherlich freuen, vor einem vollen Haus auf der Bühne zu stehen, sie haben es verdient! Gelegenheit hierzu ist gegeben am kommenden Wochenende, am Sonnabend, 21. November, um 20 Uhr, Sonn­tag, am 22. November, um 15.30 Uhr und 20 Uhr, sowie am 28. November, 5. und 13. Dezember jeweils um 20 Uhr. |

Lütte witte Siedenschoh (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

LÜTTE WITTE SIEDENSCHOH

Komödie in fünf Akten von Ingo Sax

Inszenierung: Bigge Lünemann a. G.
Bühnenbild: Bigge Lünemann a. G.

Souffleuse - Hanna Christoffers
Requistiten - Monika Eilers
Inspektion - Anke Schluppkotten
Technik - Manfred Eilers, Günter Newerla, Horst Vollbrecht, Alfred Christoffers und Julius Schumann.

Rollen und Darsteller
Benno Roggenkamp - Klaus Aden
Fiete Roggenkamp - Marc Gelhart
Huushollersch - Heidi Rausch
Deern ut de Stadt - Elke Theesfeld

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 25. September 1998

Alt-Bauer Benno entwickelt im Alter noch Frühlingsgefühle

Erste Premiere der Niederdeutschen Bühne am Sonnabend

Frühlingsgefühle eines starrsinnigen Alt-Bauern: Die Niederdeutsche Bühne beginnt ihre diesjährige Saison mit der Komödie „Lütte witte Siedenschoh" von Ingo Sax, die am Sonnabend, 26. September, 20 Uhr, im Stadttheater Wilhelmshaven Premiere hat. Die Regie für die 1991 in Hamburg uraufgeführte Komödie hat als Gast Bigge Lünemann übernommen. Von ihr stammt auch der Bühnenbildentwurf. Bigge Lünemann, Inspizientin bei der Landesbühne, ist bei der Niederdeutschen Büh­ne nicht unbekannt; denn bereits in der vorletzten Spiel-Saison inszenierte sie mit Erfolg ein plattdeutsches Bühnenstück. Derzeit laufen die Proben auf Hochtouren. Die Amateurspieler, inzwischen von der Probebühne auf die große Bühne im Stadttheater „umgesiedelt" , sind geschminkt und machen sich vertraut mit den Requisiten. Die diesjährige Premiereaufführung ist mit nur vier Spielerrollen besetzt. Das Publikum kann sich freuen auf die bekannten Gesichter von Heidi Rausch (Hushollersch), Elke Theesfeld (Deern ut de Stadt) und Klaus Aden (de Buur). Neu und zum ersten mal auf der Bühne steht Marc Gelhart als Sohn.

Als Souffleuse geht Hanna Christoffers in den Flüsterkasten. Verantwortlich für die Requistiten ist Monika Eilers. Inspektion übernimmt Anke Schluppkotten. Die fleißigen Techniker hinter der Bühne sind Manfred Eilers, Günter Newerla, Horst Vollbrecht, Al­fred Christoffers und Julius Schumann. Das Bühnenbild, eine Bauernküche aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, in der das Stück spielt, wirkt schlicht. Sparsam und ohne überflüssiges Mobiliar ausgestattet, kann kaum etwas von den zwischenmenschlichen Beziehungen in dem Vier-Personen-Stück ablenken.

Der Ablauf ergibt sich aus dem Zusammenleben von vier Menschen aus zwei Generationen, die anfangs nicht so zusammenkommen können und wollen, wie es eigentlich in einer Komödie üblich ist. Da ist der alte starrköpfige Bauer Benno Roggenkamp, ein echter Haustyrann, der sich in eine „söte" Deern verknallt, Süßholz raspelt und ganz närrisch auf Freiersfüßen tänzelt. Das ist Fiete, sein Sohn, der Nackenschläge des sturen Vaters ertragen muß und der nicht Manns genug ist, klare Verhältnisse zu schaffen, um seine heimliche Verlobung zu offenbaren. In Sachen weiblicher Taktik ist die Haushälterin Lisa die Verbündete Katharinas/ Trinas, der heimlichen Verlobten Fietes. Wie diese tiefsinnige Komödie ausgeht, das wird der Zu­schauer erfahren, wenn er am morgigen Sonnabend um 20 Uhr zur Premiere ins Theater kommt .

Die nächsten Aufführungen steigen am Sonntag, 27. Sep­tember, 20 Uhr; Sonntag, 4. Oktober, 15.30 Uhr und 20 Uhr, sowie Freitag, 9. Okto­ber, 20 Uhr. dw

Heidi Rausch, Marc Gelhart

JEVERSCHES WOCHENBLATT vom 29. September 1998

Die Darsteller erhielten Applaus auf offener Szene

Niederdeutsche Bühne erhielt lang anhaltenden Beifall für „Lütte witte Siedenschoh"

(js) Wilhelmshaven. Witte Siedenschoh, Größe 38, sorgten bei der jüngsten Premiere der Niederdeutschen Bühne am Sonnabend im Stadttheater für vergnügliche Komplikationen. Mit amüsantem Wortgeplänkel und hervorragenden Darstellern begeisterte die Niederdeutsche Bühne mit der Komödie „Lütte witte Siedenschoh" aus der Feder von Ingo Sax. Als Dank erhielten sie langanhaltenden Beifall vom begeisterten Publikum. Ein Wunsch ist nur so lange reizvoll und interessant, so lange er unerfüllt bleibt. Bekommt man das Gewünschte, verliert es of seinen Reiz. So ergeht es auch Bauer Benno Roggenkamp, ein starrsinniger Bauer und Haustyrann. Er verliebt sich in ein junges Mädchen und erlebt seinen zweiten Frühling. Bennos Hof ist einer der größten im Hamburger Umland. Während der Erntezeit müssen Tagelöhner angeworben werden, um die Ernte einzubringen. Bei klarem Verstand hätte Benno niemals eine junge Frau angenommen, die für Kost und Logis arbeiten will. Aber Erntedruck, Personalnot und rote Haare trüben seinen Blick. Gerade die roten Haare, gepaart mit Fleiß und Ausdauer, verwirren seinen Kopf.

So kommt Trina auf den Hof, die eigentlich Katharina heißt. Sie ist die heimliche Verlobte von Bennos Sohn Fiete. Doch Katharina ist nicht standesgemäß. Sie ist ein Mädchen aus der Stadt. Da müssen List und Tücke angewendet werden, um Katharina auf den Hof zu bringen. Bennos Haushälterin und ewige Verlobte, Lisa, weiß von den Heimlichkeiten des jungen Paares. Lisa stellt Katharina als Hausmagd ein, während sie ihre Schwester besucht. So wird aus Katharina Trina und dem Bauer als Tochter aus vermögendem Haus vorgestellt. Er ist sofort Feuer und Flamme. Benno macht Trina den Hof. Schnell spricht er von Heirat und kauft ihr „lütte witte Siedenschoh, Größe 38". Das paßt natürlich Lisa nicht, die aber nicht auftrumpfen darf, da sie von Benno im Alter versorgt werden will. Doch irgend jemand muß die Verwechslung aufklären. Benno will nicht, Fiete kann nicht, Lisa darf nicht. Bleibt also nur Trina. Weibliche Lisl ist gefragt, Schläue gegen Verliebtheit. So verspricht sie, daß alles geregelt sein wird, wenn „der Junge zum Mann und der Mann zum Vater" wird.

Immer wieder erhielten die vier Darsteller Applaus auf offener Szene. Mil Klaus Aden, Marc Gelhart, Heidi Rausch und Elke Theesfeld hatte Bigge Lünemann als Regisseurin eine hervorragende Wahl getroffen. Klaus Aden war wie geschaffen für die Rolle als Benno Roggenkamp. Auf der einen Seite der starrsinnige Bauer und Haustyrann, der seinem erwachsenen Sohn mit Nackenschlägen auf den rechten Weg bringen will. Seine Hochzeit mil Lisa schiebt er immer hinaus, weil sie Geld kostet. Aber es gibt auch noch eine andere Seite an Benno. Diese kann sanft und zärtlich sein, aber die erlebt nur Trina. Für sie kauft er Lackschuhe und tauscht sie schließlich auf Anraten von Sohn Fiete gegen Siedenschoh ein. Eigentlich denkt Fiete dabei an seine eigene Hochzeit mit Trina und merkt nicht, wie Benno Trina umgarnt. Die Verwirrung ist perfekt. Trina, gekonnt dargestellt von Elke Theesfeld, hat eine glänzende Idee, sie will Bennos Wunsch erfüllen, denn sie hofft, wird sein Wunsch Wirklichkeit, will er sie nicht mehr.

Da hält sie ihm sehenswert ihrer beiden Zukunft vor Augen. Fünf Kinder möchte sie mit ihm, twee Jungs un dree Deerns. Benno soll tanzen lernen, und sie bringt ihm gleich die ersten Walzerschritte bei. Außerdem brauchte sie eine weitere Haushaltshilfe, denn mit fünf Kindern hat sie nicht mehr viel Zeit für die Hausarbeit. Als Trina ihn schließlich noch auffordert, sein Testament zu ihren Gunsten zu ändern, verläßt Benno die Küche. Er geht zum Nachdenken in den Stall. Unterstützt in ihren Spielchen wird Trina von Bennos Verlobter Lisa, herrlich gespielt von Heidi Rausch. Bleibt zum Schluß noch Fiete, der erst noch zum Mann werden muß, damit er seine Katharina in die Arme schließen kann. Mit der Neubesetzung Marc Gelhart hat die Niederdeutsche Bühne einen Glücksgriff gemacht, meisterhaft füllt er die Rolle des „noch etwas grün hinter den Ohren wirkenden Bauernsohn" aus. Frisch, und scheinbar ohne Lampenfieber, meisterte er bravourös seinen ersten Part.

Die nächste Aufführung der Niederdeutschen Bühne ist am Sonntag, dem 4. Oktober, um 15.30 und 20 Uhr im Stadttheater.

Marc Gelhart, Klaus Aden

Marc Gelhart, Elke Theesfeld

Witte Wyandotten (1. WA)

1. Wiederaufführung (2), davor 68/69

WITTE WYANDOTTEN

Komödie in drei Akten von Konrad Hansen

Inszenierung und Bühnenbild: Jürgen Reiners a.G.

Rollen und Darsteller
August - Horst Karstens
Pauline, Nachbarin - Hanna Christoffers
Pit - Rolf-Peter Lauxtermann
Opa Hartmann - Günter Boye / ab 2 Vorstellung Jürgen Reiners
Schwiegertochter Emmy - Margot Andrews-Jäkel
Makler Krawuttke - Michael Hillers

Souffleuse: Herta Tapken
Requisiten: Marga Goldenstein
Bühnenbau: Alfred Christoffers
Bühnentechnik: Manfred Eilers, Sönke Kiewitt, Günter Newerla, Horst Vollbrecht
Bühnenmalerei: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Technische Leitung: Klaus Panka
Inspektion: Anne Hillers, Klaus Panka

 

WILHELMSHAVENER ZEITUNG, Ostersamstag 1998

Nicht nur Hühnerfans begeistert

Niederdeutsche hatte mit „Witte Wyandotten" gelungene Premiere

Von Astrid Fertig

Bei Wyandotten handelt es sich um eine aus Amerika stammende Hühnerrasse mittelgroßer, reichbefiederter Fleisch- und Legehühner. Wenn nun ein Theaterstück „Witte Wyandotten" heißt, wie das von Konrad Hansen, das am Gründonnerstag bei der Niederdeutschen Bühne im Stadttheater Premiere hat­te, erwartet der Zuschauer womöglich, Federvieh auf der Bühne zu erleben. Konnte er auch. Unsichtbare Wyandotten waren das, die Haustiere von Hauptfigur Opa Hartmann (Günter Boye), denen er liebevoll durch die Stube hinter­hersteigt, wodurch seine Familie, bestehend aus Schwie­gertochter Emmy (Margot Andrews-Jäkel) und deren Bekanntem August (Horst Karstens), ihrerseits reagiert wie ein aufgeregter Hühnerhof. Schließlich verdirbt ihnen Opa mit seinem Blick auf Phantasie-Federvieh das Geschäft mit dem windigen Makler Krawuttke (Michael Hillers). Da scheint August nur noch eines zu helfen: Opa muß weg. Pit (Rolf-Peter Lauxtermann), der schon wegen Mordes gesessen hat, scheint ihm der richtige Mann dafür zu sein. Doch der Mordversuch nimmt eine überraschende Wende.

„Witte Wyandotten" ist eine hintergründige Komödie um Lebensklugheit, die sich hinter vermeintlicher Trotteligkeit verbirgt. Wunderbar selbstverständlich spielt Boye den tüdeligen Hühnerfan. Nichts bringt ihn aus der Ruhe, und warum Pit ihm mit dem Revolver vor der Nase herumfuchtelt, kann er sich gar nicht denken. Dabei weiß Opa Hartmann genau, was er will. Eine Hühnerfarm drau­ßen auf dem Land.

Schon vor dreißig Jahren hat Günter Boye in „Witte Wyandotten" auf der Bühne des Stadttheaters gestanden. Ob er den rabiat-geschäftstüchtigen August, den er damals spielte, genausogut verkörpert hat, wie jetzt Opa Hartmann, läßt sich nicht mehr beurteilen. Die aktuelle Rolle ist ihm jedenfalls wie auf den Leib geschneidert. Die Rolle des August wird im aktuellen Stück von Horst Karstens überzeugend hemdsärmelig-polternd dargestellt. Lauxtermann als gedungener Mörder beeindruckt schon durch seine hünenhafte Gestalt in Trench und Schlapphut. Bezaubernd ist Hanna Christoffers als rührige Nachbarin Pauline, ob sie nun Opa Hartmann hausfraulich mit Kaffee versorgt, sich kindlich über einen Pelzmantel freut oder verliebt mit ihrem Nachbarn Tango tanzt.

Auch Michael Hillers ist ein hinreichend schmieriger Häusermakler. Margot Andrews-Jäkel als Emmy trägt den Gegensatz zwischen zuckersüß und kaltschnäuzig sehr dick auf. Die Zuschauer, die zwei Drittel des Saales füllten, bekamen eine gelungene Premiere zu sehen.

WILHELMSHAVENER ZEITUNG

Phantasie-Hühner in der Stube

Donnerstag Premiere der Niederdeutschen mit „Witte Wyandotten"

Klaus Aden, Bühnenleiter der Niederdeutschen, war etwas irritiert von der perfekten Aufführung, die ihm am Montag im Stadttheater geboten wurde. „Für eine Generalprobe ist das eigentlich zu gut gelaufen", seufzte er begeistert. Schauspieler sind abergläubisch. Die Zuschauer dürfen gespannt sein, ob die Peremiere von „Witte Wyandotten" am Donnerstag ebenso gut klappt.

Zur Generalprobe war die Bühne schon komplett eingerichtet. Der Blick geht in eine gutbürgerliche Stube: Lindgrüne Tapeten, Tütenstehlampe in der einen Ecke, Schusterpalrne in der anderen, an den Wänden Landschaftsbilder und maritime Motive: Doch die Bilder haben Rückseiten. Auf denen kleben Abbildungen von Hühnern der Rasse „weiße Wyandotten". Die hat der Bewohner des Hauses, Opa Hartmann (Günther Boye), früher gezüchtet, bis Schwiegertochter Emmi (Margot Andrews-Jäkel) es verboten hat. Jetzt laufen die Hühner nur noch in Opas Phantasie herum, und mit seinen suchenden Blicken erschreckt er alle Leute. Ihn selbst kann dagegen nichts erschüttern. „Schreckhaft sind Se wohl ok nich?", brüllt Rolf-Peter Lauxtermann seinen Schauspielerkollegen über den Tisch hinweg an. Er spielt den gedungenen Mörder Pit, der Opa Hartmann um die Ecke bringen soll. Günther Boye zuckt noch nicht einmal. Gemütlich steht er auf, verkündet, „nu wullt wi wohl erstmal 'n Lütten hebben" und langt die Schnapsflasche aus der Anrichte. Dann stellt er fest, daß auch Pit der Hühnerrasse „Wyandotten" verfallen ist.

„Küken? Doch wohl nich Höhnerküken", schreit er entzückt, und aus dem Zuschauerraum ruft Regisseur Jürgen ReinerS begeistert „schön" zurück. Dann wendet der Regisseur sich leise an den zweiten Zuschauer bei dieser Probe, Bühnenleiter Aden. „Jetzt paß auf, jetzt dreht er alle wieder um". Tatsächlich wendet Boye die Bilder an den Wänden und läßt die Hühner zum Vorschein kommen. „Im Buch ist eine Tätowierung angesagt", erklärt Reiners. Opa Hartmann sollte sich das Hemd aufreißen, um das eingestichelte Huhn auf seiner Brust vorzuführen. Aber derart markige Gesten fand der Regisseur „blöd".

Es ist das erste Mal, daß Reiners Regie führt. Der gebürtige Bassurner war vorher in Bremen als Inspizient und Regieassistent tätig. Er ist ebenfalls von dem Ablauf der Generalprobe angetan, auch wenn er nach dem letzten Vorhang statt Schlußapplaus lediglich Anweisungen gibt, wie die Schauspieler sich zu verbeugen haben. Der elegante Abgang ge­hört eben auch zu einer gelungenen Aufführung. Die Premiere beginnt am Donnerstag um 20 Uhr im Stadttheater.

De Regenmaker (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DE REGENMAKER

Von Richard N. Nash
Niederdeutsch von Hans-Jürgen Ott

Inszenierung: Bigge Lünemann a.G.

Rollen und Darsteller
Lies - Christine Fein
Regenmaker - Jürgen Tapken
Altbauer - Klaus Aden
jüngerer Sohn - Thorsten Könnecke
älterer Sohn - Michael Hillers
Gendarm Fritz Garfs - Wilfrid Pampuch

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 10. Februar 1998

Donner wurde zu Beifall

Laiendarsteller der Niederdeutschen überzeugten bei ihrer Premiere

Vordergründig geht es um die langanhaltende Trockenheit auf dem Land in dem Stück „De Regenmaker", mit dem die Niederdeutsche Bühne am Sonntag im Stadttheater Premiere hatte. Seit Wochen hat es in dem kleinen norddeutschen Dorf nicht geregnet, und der Bauernfamilie Jensen verendet das Vieh. Zu verdorren droht ihnen aber auch die Tochter des Hauses. Lies (Christine Fein) ist eine tüchtige, junge Frau, aber ihr fehlt das Vertrauen in ihre Weiblichkeit. Vergeblich versuchen der Bauer (Klaus Aden) und seine Söhne (Michael Kever und Thorsten Könnecke), sie an den Mann zu bringen. Schließlich kommt ein windiger Visionär in Umhang und Schlapphut daher (Jürgen Tapken) und verspricht Erlösung von der überlangen Dürre. Und so ist „De Regenmaker" auch ein Stück über Liebe und Einsamkeit, über Unsicherheit und Träume. Vieles ist symbolisch an dieser Geschichte. Manche Erzählungen beschwert eine so ausgeprägte zweite Ebene. Aber „De Regenmaker" gewinnt durch sie. Den Laienschauspielern der Niederdeut­schen Bühne gelingt es, die Typen nicht nur dadurch zu verkörpern, was sie sagen, sondern darin, was sie tun.

Was für ein verschlossener Mensch der Dorfgendarm Fritz Garfs (Wilfried Pampuch) ist, erkennt am besten, wer ihm beim Stiefelwichsen zusieht. „Ick will von nüms wat" hätte er dazu gar nicht mehr sagen müssen. Auf den Leib geschrieben ist Thorsten Könnecke seine Rolle als jüngerer Bauernsohn. Wie Quecksilber perlt er über die Bühne, dem Leben vertrauend, selbst ein blaues Auge verzeihend, und bereit, für den Regenmacher die Trommel zu schlagen. Michael Kever verkörpert das Vernunftprinzip des älteren Bruders, indem er sich mit verschränkten Armen abwendet von dem Leben, das nicht läuft, wie die Logik es vorschreibt. Und der Altbauer, gespielt von Klaus Aden, wischt sich dazu ratlos mit dem Schnupftuch über die Stirn.

Geradezu wie eine der großen, tragischen Frauengestalten aber wirkt Christine Fein in ihrer Rolle als Lies. Es ist bemerkenswert, welche Gefühlsvielfalt sie allein in ihren Blicken ausdrücken kann. Starr blickt sie und läßt das Urteil ihres älteren Bruders, sie sei häßlich, auf sich wirken, umgeben von einer Aura tiefer Trauer. Panisch sieht sie ihren Vater an, als sie ihn bittet, ihr zu helfen. Und schließlich strahlen ihre Augen mit tiefer Zuversicht demjenigen ins Gesicht, für den sie sich entschieden hat.

Ihr Gegenpart ist Jürgen Tapken als Regenmacher, wie er begeistert und überzeugend versichert, daß er ein Wunder bewirken kann, auch wenn er das vorher noch nie geschafft hat. Aber „ohne Vertroon löpt nix", und mit dem Vertrauen, daß ihm die Bauersleute schenken, kommt es schließlich zu einem gewaltigen Wolkenbruch. Der segensreiche Gewitterdonner, mit dem das Stück endete, ging fast übergangslos in den verdienten Beifall des Stadttheater-Publikums über.

Die nächsten Aufführungstermine von „De Regenma­ker" sind am kommenden Wochenende jeweils um 20 Uhr und am Sonntag zusätzlich um 15.30 Uhr.

Pasters, Pasters nix as Pasters (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

PASTERS, PASTERS, NIX AS PASTERS

(Loop doch nich jümmer weg)
Farce in drei Akten von Philip King
Niederdeutsch von Hans-Jürgen Ott

Inszenierung und Bühnenbild: Martin Erhard a.G.

Bühnenbildbau: Alfred Christoffers, Julius Schumann
Bühnentechnik: Manfred Eilers, Sönke Kiewitt, Günter Newerla
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Inspizient und technische Leitung: Klaus Panka
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Souffleur: Günter Boye
Requisiten: Monika Eilers

Rollen und Darsteller
Ina, ein Dienstmädchen - Petra Loschen
Fräulein Dorothea - Heidi Rausch
Ernst Bornemann, Pfarrer - Claus Miehlke
Jessica, seine Frau - Marion Zomerland
Stefan Fritsch, Bootsmannsmaat - Alf Hauken a. G.
Ein Mann - Horst Karstens
Gregor Michaelis, Oberkirchenrat - Horst Jönck
Pfarrer Bertzbach - Günter Jaedeke
Wachtmeister Preuß - Gerd Thomßen

Wenn du Geld hest (2. WA)

2. Wiederaufführung (3), davor 1957/58 und 1974/75 gespielt

WENN DU GELD HEST

Volkskomödie in drei Akten von Wilfried Wroost,
Fassung für die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven von Arnold Preuß

Inszenierung: Arnold Preuß
Bühnenbild: Antje Schierhorn
Kostüme: Antje Schierhorm

Inspizient:: Luise Pampuch
Souffleuse: Karin Heyel/Hildegard Steffens
Regieassistenz: Elke Theesfeld
Requisiten: Monika Eilers
Bühnenbau: Alfred Christoffers, Julius Schumann
Bühnentechnik: Manfred Eilers, Sönke Kiewitt, Günter Newerla
Bühnenmalerei: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Technische Leitung: Klaus Panka

Rollen und Darsteller
Julius Kappelhoff - Klaus Aden
Rudolf, Taxi - Chauffeur, sein Sohn - Jürgen Tapken
Lissi, Hausangestellte, seine Tochter - Dagmar Grube
Fredi, Hoteldiener, sein Sohn - Thorsten Könnecke
Frol. Emilie Kappelhoff, Julius Schwester - Brigitte Halbekath
Oskar Pommerenke, kaufmännischer Angestellter - Heinz Zomerland
Alma Roggenbuck, Wwe. Inh. einer Autovermietung - Barry Brinkhoff
Helga, ihre Tochter - Martina Zahn
Robert M. Dörmann, Inhaber einer Schiffsbefrachterfirma - Friedrich Müller

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 17. NOVEMBER 1997

Amüsantes Spiel um plötzlichen Reichtum überzeugend dargestellt

Niederdeutsche Bühne begeisterte mit Premiere im Stadttheater

Die alte Weisheit, daß Geld nicht glücklich macht, kein Geld aber auch nicht, illustriert das neue Stück der Niederdeutschen Bühne, „Wenn du Geld hest", das am Sonnabend Premiere hatte, auf witzige und anrührende Weise. Da ist Familie Kappelhoff. Vater Julius (Klaus Aden), Witwer mit der stehenden Rede „Kunn ick mi ja eigentlich glieks denken", läßt sich von seiner Schwester Emilie (Brigitte Halbekath) versorgen. Diese, ein seit 30 Jahren verlebtes Fräulein, hat auch seine Kinder Lissi (Dagmar Grube), Rudolf (Jürgen Tapken) und Fredy (Thorsten Könnecke) großgezogen. Vater Kappelhoff möchte seinem tyrannischen Chef am liebsten den Job kündigen. Sein Ältester wiederum verehrt die Tochter seiner Arbeitgeberin, doch die süße Helga (Martina Jahn) soll, um des lieben Geldes willen, eine reiche Partie machen.

Plötzlich taucht Oskar Pommerenke auf (Heinz Zomerland), der Kappelhoff noch aus Kriegstagen kennt. Und mit dem alten Kameraden kommt Geld ins Spiel. Viel Geld. Einen Lottogewinn von 354 000 Mark hat Pommerenke eingestrichen. Weil ihm Forderungen drohen, hat er das Geld auf ein Sperrkonto gepackt, und es auf Kappelhoffs Namen ausstellen las­sen. Doch durch den plötzlichen Reichtum kommt es zu wilden Verwicklungen, nicht nur finanzieller, sondern auch menschlich, allzu menschlicher Art. Pommerenkes alter Onkel entpuppt sich als der langersehnte Verlobte von Tante Emilie...

Mit seiner Interpretation hat Regisseur Arnold Preuß sehr schön das Lebensgefühl der 50er Jahre eingefangen. Die Pausenmusik „Rock around the clock" stimmte auf die gute Stube der Kappelhoffs mit Tütenlampen und Radio ein. Die Schauspieler überzeugten alle. Debütantin Martina Jahn als zarte Braut, Jürgen Tapken als ihr hemdsärmeliger Bräutigam. Alert und flink Thorsten Könnecke als Kellner Fredy in gestreifter Uniform. Schön getragen wirkte Friedrich Müller in seiner Kurzrolle als Kappelhoffs Dienstherr Dörmann. Ganz wunderbar war Klaus Aden als Vater Kappelhoff. Ihm gelang das Kunststück, nicht nur den Brummeligen zu spielen, sondern gespielte Brummigkeit darzustellen. Ob Berta Brinkhoff amüsanter war als eisige Witwe Roggenbuck oder als zuckersüße, künftige Schwiegermama, war sicherlich schwer zu entscheiden.

Die Palme gebührt jedoch Brigitte Halbekath als emotionaler Tante Emilie. So sah es auch das Publikum, das ihr den meisten Applaus zollte. Sie stellte eine solche Bandbreite von Gefühlen dar, sentimental, liebevoll, aufgeregt, bekümmert, daß man glauben mochte, sie sei auch im wirklichen Leben so. Aber von ihrer Rolle als Martha in der niederdeutschen Fassung von „Harold und Maud" weiß man, daß Halbekath auch ganz anders kann.

Die nächsten Aufführungen von „Wenn du Geld hest" finden am Dienstag, 25. , Freitag 28. und Sonntag, 30. November statt, jeweils ab 20 Uhr im Stadttheater. Fe

 

Allens echt, Fro Sperling? (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

ALLENS ECHT, FRO SPERLING?

Komödie in 7 Bildern von Horst Pillau,
nach einem Lustspiel von Erich Krekel,
Niederdeutsch von Jürgen Pooch

Inszenierung: Michael Hermann a.G.
Bühnenbild: Michael Hermann/Klaus Panka

Requisiten: Margita Pust/Klaus Panka
Bühnenbau: Alfred Christoffers, Julius Schumann
Bühnentechnik: Manfred Eilers, Sönke Kiewitt, Michael Müller, Günter Newerla
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Technischer Leiter Klaus Panka
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Inspektion: Margot Andrews-Jäkel
Souffleuse: Helga Lauermann

Rollen und Darsteller
Carla Sperling, Antiquitätenhändlerin - Roswitha Wunderlich
Alexander, ihr Mann - Walter Bleckwedel a.G.
Helga, ihre Tochter - Christel Dörnath
Werner, ihr Schwiegersohn - Michal Hillers
Erich Übelacker, Hotelier - Ingo Folkers
Hellig, Kunstdieb - Horst Jönck

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 29. September 1997

Wenig Publikum bei Premiere der Niederdeutschen Bühne

Unverdientes Desinteresse für eine gelungene Inszenierung

Von Astrid Fertig-Niespor

Es wäre für die Niederdeutsche Bühne ein schöner Start in die neue Spielzeit gewesen, wenn sie ihre Premierenvorstellung von „Allens echt, Fro Sperling" am Sonnabend nicht vor halbleerem Theater hätten geben müssen. Doch die Zuschauer, die gekommen waren, hatten ihr Vergnügen an der Geschichte von der plietschen Antiquitätenhändlerin Carla Sperling. „Oh ist das schön", kam es gleich, als der Vorhang sich hob. Die Bühnenbildner hatten ganze Arbeit geleistet. Ein guter Einfall war es, hinter dem Geschäft eine Straßenszenerie anzudeuten, so daß es von beiden Seiten Publikum hatte: nach vorne Zuschauer, nach hinten Laufkundschaft. Aus dem Hintergrund tauchte er dann ja auch auf, der Spitzbub mit dem Namen Heilig, wunderbar verkörpert von Horst Jönck. Gewandet in Agenten-Trenchcoat und Schlapphut wirkt der Hehler unauffällig, bis er die Brauen hochzieht, die Augen wichtig aufreißt und Pro Sperling von einem „sakralen Heuler" und anderen Schnäppchen vor­schwärmt. Einen hübschen Gegensatz zu diesem umtriebigen Menschen bildete der Hotelier Überlacker. Schmallippig und in trockenem Hochdeutsch fordert Ingo Folkers sein Recht, bis er sich schließlich mit Fro Sperling verbündet, „Erich" heißt und platt schnackt.

Sehr gut besetzt ist mit Walter Bleckwedel auch die Rolle des zurückhaltenden Ehemannes der Fro Sperling. Der 64jährige gehört dem Seniorentheater der Landesbühne, de „Wellenbrechern", an und gibt bei der Niederdeutschen ein Gastspiel. Hinreißend mürrisch brummelt er sein „ehrlich währt am längsten", bis er sich am Schluß ganz warmherzig zeigen kann, und seiner Frau einen für 30 Jahre Ehe erstaunlich feurigen Kuß aufdrückt. Aber ihr, die diese Frau Sperling, spielt, Roswitha Wunderlich, gebührt in diesem Stück die Palme. So sah es auch das Publikum und bedachte sie mit dem meisten Beifall. Geschäftstüchtig, mit beiden Beinen mitten im Leben stehend und manchmal doch anrührend naiv, so stellt Wunderlich die Antiquitätenhändlerin dar. Für eines ihrer überzeugend geführten Telefonate gab es spontanen Szenenapplaus. Es ist amü­sant und hintersinnig zugleich, wie sie aus dem Platt dabei in ein gedrechseltes Hochdeutsch springt, um gelegentlich mit einem breiten „Nää" oder „Wat?" doch wieder ins angestammte Idiom zurückzufallen.

Gerade bei der Ausgestaltung der Hauptfigur spürt man auch die engagierte Arbeit des Regisseurs Michael Herrmann. Hat Fro Sperling Oberwasser, läßt er sie in Taubenblau auftreten. Als sich dunkle Wolken über ihrem Geschäft zusammengeballt haben, klatscht nicht nur Regen gegen das Schaufenster, auch die Kleidung der Händlerin ist nieselgrau. In Ordnung waren auch die Leistungen von Michael Hillers als Schwiegersohn in Nöten und seiner Frau Helga, gespielt von Christel Dörnath, die damit ihr Debüt bei der Niederdeutschen gibt.

Es wäre unfair, ihnen vorzuwerfen, daß man ihm in seiner Jugendlichkeit nicht drei Ehefrauen abnimmt, und sie zu bodenständig wirkt, um als Esoterikerin durchzugehen. Allen Beteiligten ist zu wünschen, daß sie bei den Aufführungen an den beiden kommenden Wochenenden mehr Publikum haben.

Up Düvels Schuuvkar (3. WA)

3. Wiederaufführung (4), davor 1947/48, 1959/60 und 1974/75

UP DÜVELS SCHUUVKAR

Komödie in vier Akten von Karl Bunje
Inszenierung: Horst Jönck
Bühnenbild. Karls Ransleben


Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Requisiten: Monika Eilers
Inspizient: Anke Schluppkotten
Souffleuse: Roswitha Wunderlich
Bühnenbildbau Alfred Christoffers, Julius Schumann
Bühnentechnik Manfred Eilers, Sönke Kiewitt,
Michael Müller, Günter Newerla
Bühnenmaler Herbert Ulbrich

Rollen und Darsteller
Heiko Herkens, Bauer - Manfred Janssen
Taline, Magd - Karin Heyel
Jann Spinn, Knecht - Klaus Aden
Marie, Flüchtlingsmädchen - Petra Loschen
Fiet Hilmer, Gendarm - Horst Karstens
Helga, seine Tochter - Sandra Uehlken

Hamborger Beer (1. WA)

1. Wiederaufführung(2), davor 1962/63 gespielt

HAMBORGER BEER

Komödie von Heinrich Behnken

Inszenierung: Bigge Lünemann
Bühnenbild: Bigge Lünemann
Kostüme: Gabriele Taphorn

Souffleuse: Wilma Welte
Requisiten: Anke Schluppkotten
Bühnenbau: Alfred Christoffers, Julius Schumann
Bühnentechnik: Manfed Eilers, Sönke Kiewitt, Michael Müller, Günter Newerla
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg
Inspizientin: Anke Schluppkotten

Rollen und Darsteller
Jochen Barkhahn, Broherr in Hamburg - Horst Jönck
Abelke, seine Tochter - Elke Theesfeld
Gesa, sene Tochter - Dagmar Grube
Klaus van Huden, Leutnant im Hamburger Kriegsvolk - Ralf-Rüdiger Bayer
Nickel Strump, Kaufmann - Manfred Janssen
Hinnerk Brandt, Broherr in Lübeck - Karl-Heinz Schröder
Heino, sein Sohn - Torsten Könnecke
Jonni Voß, Kröger in Lauenburg - Günter Boye

Een Slötel för twee (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

EEN SLÖTEL FÖR TWEE

Komödie von John Chapmann und Dave Freemann
Deutsch Paul Overhoff
Niederdeutsch Gerd Meier

Inszenierung und Bühne: Albrecht C. Dennhardt
Regieassistenz Roswitha Wunderlich Bühnenbau: Alfred Christoffers, Erwin Hildebrand, Julius Schumann
Bühnentechnik: Manfred Eilers, Sönke Kiewitt, Michael Müller,
Günter Newerla, Gesienus Thomas
Inspizient:: Klaus Panka
Souffleuse: Hanna Christoffers
Requisiten: Monika Eilers
Beleuchtung Peter Pfaus, Uwe Freiberg

Rollen und Darsteller
Kai - Michael Hillers
Monika - Marion Zomerland
Jürgen - Jürgen Tapken
Gabi - Christine Fein
Horst - Michael Kever
Magda - Helga Lauermann
Henriette - Margot Andrews-Jäkel

Amaretto (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

AMARETTO

Kriminalstück von Ingo Sax

Inszenierung: Jürgen Tapken und Marion Zomerland
Bühnenbild: Jürgen Tapken/Marion Zomerland

Requisiten Monika Eilers
Bühnenbau: Alfred Christoffers, Erwin Hildebrand, Julius Schumann
Inspizient: Helga Borraß
Souffleuse: Christel Dörnath
Bühnentechnik: Manfred Eilers, Sönke Kiewitt, Michael Müller, Günter Newerla
Bühnenmaler: Herbert Ulbrich
Beleuchtung: Peter Pfaus, Uwe Freiberg

Rollen und Darsteller
Beatrice Moormann, Witwe von Konsul Moormann - Brigitte Halbekath
Julia Moormann, de Dochter von Beatrice - Wilma Welte
Manfred Reimers, Verlobte von Julia - Günter Jaedeke
Nicola Rohde, die Nichte von Beatrice - Elke Theesfeld
Andreas Lüdecke, der Neffe und Geschäftsführer von Beatrice - Torsten Könnecke
Karin, Haushälterin von Beatrice - Margot Andrews-Jäkel
Dr. Hadenfeld, Hausdoktor - Klaus Aden

Döör an Döör´nanner (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

DÖÖR AN DÖÖR´NANNER

Farce in drei Akten von Frank Gruppe

Inszenierung: Horst Jönck
Bühnenbild: Carl Ransleben

Souffleuse: Anke Schluppkotten

Rollen und Darsteller
Herta Müller-Meisenstein - Hildegard Steffens
Antonia Kleinschmidt - Helga Lauermann
Herr Klapproth - Heinz Zomerland
ECW-Fan - Herta Tapken
Arnulf Schmidt, Schauspieler - Ingo Folkers
Uwe Barsig - Manfred Janssen
Doktor, Polizist - Michael Müller

Mien Mann, de fohrt to See (4. WA)

4. Wiederaufführung (5), davor 1950/51, 1953/54, 1962/63 und 1977/78

MIEN MANN, DE FOHRT TO SEE

Lustspiel in drei Akten von Wilfried Wroost

Inszenierung: Horst Jönck
Bühnenbild: Carl Ransleben

Rollen und Darsteller
Karl Brammer - Horst Karstens
Mary Brammer - Christine Fein
Friedrich Brammer - Ralf-Rüdiger Bayer
Augusta-Viktoria - Luise Pampuch
Mandus Sötje - Günter Jaedeke
Malwine Sötje - Karin Heyel
Adrian Pott - Thorsten Könnecke
Ulli Stichling - Petra Loschen
Johannes Menck - Friedrich Müller
Justus Aldag - Klaus Aden

Rommee to drütt (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

ROMMEE TO DRÜTT

Komödie in drei Akten von Petra Blume

Inszenierung: Jürgen Tapken
Bühnenbild: Jürgen Tapken

Bühnenbildbau: Walter Borraß, Alfred Christoffers,
Erwin Hildebrandt, Julius Schumann
Bühnenbildmalerei: Herbert Ulbrich
Bühnentechnik: Klaus Panka, Sönke Kiewitt, Siegfried Margowski, Günter Eilers, Günter Newerla
Bühnenbeleuchtung: Uwe Freiberg, Peter Pfaus
Requisiten: Angelika Lauxtermann

Rollen und Darsteller
Helga Lauermann
Herta - Wilma Welte
Margot Andrews-Jäkel
Nichte - Dagmar Grube
Freund - Michael Hillers

Das Gangstertrio war unterwegs (Helga Lauermann, Margot Andrews-Jäkel, Wilma Welte)

Jeversches Wochenblatt

Niederdeutsche Frauen waren als "Rommeé" Damen zu jung

Bühne hatte mit "Romme to drütt" Premiere / Aufführung am 18. Februar

Von Jutta Schmidt

Wilhelmshaven. Eine gute Theateraufführung steht und fällt mit seinen Darstellern. Da ist es mitunter besser, eine geplante Aufführung vom Spielplan zu nehmen, wenn keine geeigneten Spieler da sind, als keinen Erfolg zu haben. Das dachte sich auch die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven und nahm das Schauspiel "Johanninacht" wegen Erkrankung des Hauptdarstellers vom Spielplan. Ein Ersatz war schnell gefunden, "Romme to drütt", eine Komödie aus der Feder von Petra Blume wurde einstudiert.

Doch auch hier ist es Regisseur Jürgen Tapken nicht gelungen, eine optimale Rollenbesetzung zu erzielen. Zwar hatte er für seine Inszenierung altbewährte Darstellerinnen ausgesucht, die ihren Part gekonnt spielten, aber leider waren diese Damen für die Verkörperung der skurrilen alten Frauen viel zu jung. So war es auch nicht verwunderlich, daß der Funke der Begeisterung erst mit dem dritten Akt die Zuschauer erreichte, als es recht turbulent auf der Bühne zuging. Auch das Bühnenbild für diese herrliche Komödie war zu nüchtern und modern. Der laut Drehbuch verlangte Gesamteindruck von plüschig und nostalgisch fehlte weitgehendst. Denn gerade der Gedanke, daß drei alte Damen von 60 Jahren eine Bank überfallen, macht diese Komödie so liebenswert, aber leider fehlte bei den Niederdeutschen der Hauch des Alters. Vom Banküberfall als Verjüngungskur war man weit entfernt.

Trotzdem erhielten die Darsteller gebührenden Beifall für ihre schauspielerischen Leistungen, für ihre Inszenierung des dreisten Banküberfalls. Margot Andrews Jäkel und Helga Lauermann schlüpften, wenn zuerst auch widerwillig, in Männerkleidung und begeisterten das Publikum. Wilma Welte als resolute und herzkranke Herta war die tonangebende Ergänzung des Trios. Dagmar Grube als Nichte und Michael Hillers als Dagmars Freund sind weitere Darsteller dieser Komödie.

"Romme to drütt" ist die Geschichte von drei betagten Damen, jede um die sechzig und alle drei verwitwet. Zweimal wöchentlich treffen sie sich und spielen Romme. Seit zehn Jahren laufen diese gemeinsamen Nachmittage bereits wie ein Ritual ab und das ohne jegliche Höhen und Tiefen. Bis man eines Tages auf die vorkommenden Mißstände im Pflege und Altenheim zu sprechen kommt. Um an das benötigte Geld zu kommen, planen die drei, erst nur zum Spaß, einen Banküberfall. Aber die Frauen steigern sich in die Sache hinein, bis schließlich aus der Planung Realität wird.

Nun wird es brenzlig (v.l. Margot Andrews-Jäkel, Dagmar Grube, Michael Hillers,Wilma Welte und Helga Lauermann)

Die Niederdeutsche Bühne spielt noch an folgenden Tagen: Am 18. Februar um 15.30 und 20 Uhr, am 24. Februar um 20 Uhr, am z. März um 20 Uhr, am 3. März um 15.30 und 20 Uhr, am 16. März um 20 Uhr jeweils im Stadttheater Wilhelmshaven. Am 29. Februar um 20 Uhr im ev. Gemeindehaus Sande und am 1. März um 20 Uhr in der Agnes Miegel Schule.

Pension Schöller (WE)

Wilhelmshavener Erstaufführung

PENSION SCHÖLLER

Schwank von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby,
Plattdeutsch Hans-Jürgen Ott

Inszenierung: Arnold Preuß
Bühnenbild: Arnold Preuß

Bühnenbildbau: Walter Borraß, Alfred Christoffers,
Erwin Hildebrandt, Julius Schumann
Bühnenbildmalerei: Herbert Ulbrich
Bühnentechnik: Klaus Panka, Sönke Kiewitt, Siegfried Margowski, Günter Eilers, Günter Newerla
Bühnenbeleuchtung: Uwe Freiberg, Peter Pfaus
Requisiten: Angelika Lauxtermann, Kristina Drescher
Inspizient: Anne Hillers
Souffleuse: Brigitte Halbekath

Rollen und Darsteller
Philipp Klapproth, Hofbesitzer - Horst Jönck
Ulrike Sprosser, Witwe, seine Schwester - Wilma Welte
Ida, deren Tochter - Dagmar Grube
Franziska, deren Tochter - Petra Loschen
Alfred Klapproth, Philipps Neffe - Thorsten Könnecke
Ernst Kissling, Kunstmaler - Jürgen Tapken
Fritz Bernhardy, Großwildjäger - Claus Miehlke
Josephine Krüger, Schriftstellerin - Roswitha Wunderlich
Schöller, Pensionsinhaber - Klaus Aden
Amalie Pfeiffer, seine Schwägerin- Hanna Christoffers
Friederike, ihre Tochter - Elke Theesfeld
Eugen Rümpel - Arnold Preuß
Gröber, Major a.D. - Horst Karstens
Johann - Michael Müller

Klapproth (Horst Jönck) und Eugen Rümpel (Arnold Preuß)

WILHELMSHAVENER ZEITUNG vom 28. Dezember 1995

Da bleibt kein Auge trocken . . .

Niederdeutsche: Horst Jönck dreht in "Pension Schöller" voll auf

Von Ernst Richter

Aber Hallo! Da haben die Silvester-Vorstellungs-Planer etwas verpaßt. Nichts gegen das träumerisch unterhaltsame Stück "Ein Winter unterm Tisch", zu dem sich am 31. Dezember um 19 Uhr der Vorhang im Stadttheater öffnen soll. Zum Zeitpunkt der Planung konnten die Silvester-Theater- Experten den klassischen Schwank "Pension Schöller" von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby, Niederdeutsch von Hans Jürgen Ott, aufgeführt von der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven, noch nicht gesehen haben. Die Premierenvorstellung ging erst am zweiten Weihnachtsfeiertag über die Bühne. Hätten sie's gesehen, hätten sie sagen müssen: Das ist unser Silvesterknaller!

"Pension Schöller" gedieh unter der Regie von Arnold Preuß zu einem echten Lachsalven Knüller. Es sind die nur so daherpurzelnden Pointen, die sich Horst Jönck als Hofbesitzer Philipp Klapproth mimisch aus dem Armel schüttelt. Situationskomik ist Trumpf. Wenn dieser aufgedrehte Horst Jönck aber nicht solch spielfreudige Partner hätte, könnte die effektvolle Handlung nicht brillieren.

Da ist die leicht überdrehte Schriftstellerin Josephine Krüger mit Künstlernamen Wanda Parletti, dargestellt von Roswitha Wunderlich, der ständig deklamierende Schauspieler Eugen Rümpel, gespielt von Arnold Preuß, der spleenige Major a. D. Gröber, gewichtigen Schrittes verkörpert von Horst Karstens, der besessene Großwildjäger Fritz Bernhardy, personifiziert von Claus Miehlke. Die alle wohnen in der "Pension Schöller". Den Pensionsinhaber bringt Klaus Aden auf die Bretter.

Hofbesitzer Klapproth (Horst Jönck) möchte urige Geschichten erleben und versprach seinem Neffen Alfred (Thorsten Könnecke) finanzielle Hilfe, wenn er ihn in eine "Klappsmöhl" bringen würde, wo er sie sozusagen hautnah erleben könnte.

Alfreds Freund, der Kunstmaler Ernst Rissling (Jürgen Tapken) weiß Rat und führt Klapproth in die "Pension Schöller" mit ihren etwas sonderlichen Gästen. Dort agiert auch Amalie Pfeiffer (Hanna Christoffers), die ihre Tochter Friederike (Elke Theesfeld) unter die Haube bringen möchte. So entwickeln sich die komischsten Situationen, die dröhnende Heiterkeit beim Publikum auslösen. Glaubt Klapproth doch, es mit Leuten zu tun zu haben, die alle nicht mehr ganz "dicht" sind. Schließlich kehrt Klapprot. mit vielen Erlebnissen beladen auf seinen Hof zurück und seine Familie meint, auch er habe nicht mehr alle Tassen im Schrank. Wilma Welte spielt Ulrike Sprosser, die Schwester Klapproths, Dagmar Grube deren Tochter Ida und Petra Loschen die verliebte Enkelin Franziska. Johann wird von Michael Müller dargestellt.

Die Besetzung mit 14 Mitwirkenden stellt höchste personelle Anforderungen an das Laien Ensemble, die hier aber beifallumrauscht realisiert werden. Dazu drei Bühnenbilder, überwiegend gemalt von Herbert Ulbrich. Für die Kostüm Auswahl konnte Gabriele Taphorn im Fundus der Landesbühne aus dem vollen schöpfen, spielt das Stück doch in den 20er Jahren. Es kann und darf gelacht werden!

Es ist kalt am Stadtsee - Jürgen Tapken und Michael Müller

Jeverersches Wochenblatt vom 29.12.1995

Gäste der Pension Schöller begeistern das Publikum

Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven hatte großen Erfolg mit ihrer jüngsten Premiere / Regie führte Arnold Preuß / Nächster Termin: 13. Januar

Von Jutta Schmidt

Wilhelmshaven. 111,11 Reichsmark erhielten 1889 die Dichter Carl Laufs und Wilhelm Jacoby vom Karnevalsverein Mainz für ihren Schwank "Pension Schöller". Den Narren gefiel das Stück so gut, daß sie den ersten Preis dafür hergaben. Die Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven erhielt am zweiten Weihnachtsabend, im fast ausverkauften Stadttheater, einen langanhaltenden Applaus vom begeisterten Publikum für ihre Interpretierung dieser Posse.

Vor einem winterlichen Bühnenbild, Kinder fahren Schlittschuh auf einem Teich, beginnt das Stück im Stadtpark. Die Erwachsenen sitzen auf den Bänken und trinken Punsch. Hier treffen sich Bürgerliche, Hofbesitzer, Künstler und Majore. Und der Drehorgelspieler macht Musik dazu. Es ist zu der Zeit, wo Damen noch lange Kleider trugen und die Herren in Gehröcken ausgingen. Hier trifft der Hofbesitzer Philipp Klapproth, hervorragend gespielt von Horst Jönck, seinen Neffen Philipp (Thorsten Könnecke). Klapproth erzählt ihm von Schneidermeister Witte, der ständig in die Großstadt fährt und am Stammtisch von seinen sonderbaren Erlebnissen erzählt, daß einem die Haare zu Berge stehen.

Damit er auch mal was erzählen kann, möchte Klapproth einmal ein Fest in einer "Klappsmühle" besuchen. Neffe Philipp soll ihm dabei helfen. Zusammen mit seinem Freund Ernst Kissling (Jürgen Tapken) führt Alfred Philipp Klapproth zu einer Feierlichkeit in die Pension Schöller. Klapproth glaubt, er sei in einer Irrenanstalt, denn die Pensionsbewohner entpuppen sich alle als sonderbare Typen. Dies wiederum sorgt für allerlei amüsante Verwirrungen und Verwicklungen, die an dieser Stelle kaum gerecht wieder gegeben werden können. Neben Situationskomik und schauspielerische Bestleistungen bestach die Darbietung aber auch durch herrliche Kostüme und wechselnden Bühnenbilder, was das Publikum immer wieder zum Beifall auf offener Szene hinriß.

Insgesamt 14 Rollen mußten besetzt werden, vom besessenen Großwildjäger bis zum duellsüchtigen Major war vieles gefordert. Arnold Preuß, Regisseur und Darsteller zugleich, inszenierte diese lustige Posse, die vor mehr als 100 Jahren für einen karnevalistischen Wettstreit geschrieben und von Hans Jürgen Ott ins Plattdeutsche übersetzt wurde. 14 Rollen die Arnold Preuß ausgezeichnet besetzt hat, denn die weiteren Mitspieler in dem Stück, das in der Zeit um 1920 spielt, waren Klaus Aden als vornehmer Pensionsinhaber, Hanna Christoffers als seine Schwägerin, Elke Theesfeld als ihre Tochter Friederike.

Arnold Preuß erleben wir als verkannten Künstler Eugen Rümpel, Wilma Weilte als Schwester von Philipp Klapproth, Dagmar Grube und Petra Loschen als ihre Töchter. Claus Miehlke mimt den besessenen Großwildjäger Bernhardy und Roswitha Wunderlich verkörpert eine aufdringliche Schriftstellerin. Horst Karstens präsentiert sich dem Publikum als strenger Major a. D. Bleibt zum Schluß noch Michael Müller als Johann zu erwähnen, der für den Punsch zuständig war.


Alfred (Thorsten Könnecke) und Friederike (Elke Theesfeld)

Weitere Vorstellungenvon "Pension Schöner" gibt es am 13. Januar um 20 Uhr, am 14. Januar um 15.3o und 20 Uhr, am 21. Januar um 15.30 und 20 Uhr, am 26. Januar um 20 Uhr und am 4. Februar um 20 Uhr, jeweils im Stadttheater. Weiter spielen die Niederdeutschen diesen Schwank am 18. Januar um 20 Uhr im Ev. Gemeindehaus Sande und am 19. Januar um 20 Uhr in der Agnes Miegel Schule in Fedderwardergroden.

Kramer Krey (4. WA)

4. Wiederaufführung (5), davor vor 1939, 1949/50, 1958/59 und 1978/79 gespielt

KRAMER KREY

Komödie in drei Akten von Hermann Boßdorf

Inszenierung: Arnold Preuß
Bühnenbild: Arnold Preuß

Bühnenbildbau: Walter Borraß, Alfred Christoffers, Erwin Hildebrandt
Bühnenbildmalerei: Herbert Ulbrich
Bühnentechnik: Klaus Panka, Sönke Kiewitt, Siegfried Margowski, Gesienus Thomas, Günter Newerla
Bühnenbeleuchtung: Uwe Freiberg, Peter Pfaus
Requisiten: Angelika Lauxtermann
Inspizient: Helga Borraß
Souffleuse: Hildegard Steffens

Rollen und Darsteller
Kramer Kray - Heinz Zomerland
Asmus Broihan - Jürgen Tapken
Meile Haak - Luise Pampuch
Hein Kohrs - Ralf-Rüdiger Bayer
Deele Rüüsch - Christine Fein
Laura Facklamm - Helga Lauermann
Piepersch - Margot Andrews-Jäkel

Das Ensemble von "Kramer Krey" - Ralf-Rüdiger Bayer, Margot Andrews-Jäkel, Helga Lauermann, Luise Pampuch, Christine Fein, Jürgen Tapken und in der Mitte Heinz Zomerland


Wilhelmshavener Zeitung vom 21.11.1995

Eroberungskünste erheitern das Publikum

Niederdeutsche Bühne Wilhelmshaven spielt Bossdorf Komödie "Kramer Krey"

Von Ernst Richter

Alle Frauen sind hinter Kramer Krey her, dem recht gut betuchten Witwer mit seiner Krämerhandlung: Die Huushollersch Mile Haak, die Reimakefroo Piepersch, das leichte Mädchen Dele Rüsch und die Wittfro Laura Facklamm. Daraus entwickelt sich eine urige Geschichte, denn der Makler Asmus Broihan verleitet Kramer Krey zu nächtelangen Sauftouren, liebt das flo'te Leben und die leichten Deerns. Andererseits hat der Junggeselle Broihan mehr als ein Auge auf die Huushollersch Mile Haak geworfen, möchte sie seinem Freund Kramer Krey ausspannen. Wird es ihm gelingen?

Die Antwort darauf gibt die Hermann Bossdorf Komödie "Kramer Krey", aufgeführt von der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven. Am Sonntag war Premieren Vorstellung im Stadttheater. Die Regie führt Arnold Preuß. Heinz Zomerland spielt den Kramer Krey, der mit einem Brummschädel nach durchzechter Nacht erst mit einem nassen Feudel wachzukriegen ist, den die Reimakefroo zielsicher schwenkt. Das lustig Speel in fünf Törns hat damit begonnen. Heinz Zomerland könnte sich noch ein bißchen mehr in die Rolle dieses Krämers hineinknien, die Ärmel aufkrempeln und vom feinen Zwirn in den Küsten Alltag hineinagieren.

Das gelingt mit deftigem Temperament Margot Andrew Jäkel als Reimakfroo Piepersch. Und dazu kommt Christine Fein als leichtes Mädchen Dele Rüsch ganz groß heraus, sprüht voller Witz und Mimik und bekommt Szenenapplaus. Helga Lauermann hat als fein ausstaffierte Wittfro Laura Facklamm nur einen kurzen Auftritt. Bleibt als vierte Spielerin Luise Pampuch in der Rolle als Huushollersch Mile Haak zu nennen, die geschickt weiblichen Charme und Raffinesse einsetzt und weiß, wie eine Frau einen Mann einfangen kann. Sie wird so zur Hauptfigur dieser turbulenten Handlung, in der natürlich außer Kramer Krey noch zwei weitere Mannslüü eine Rolle spielen.

Da ist Jürgen Tapken als agiler und gut durchtrainierter Makler Asmus Broihan, bester Freund Kramer Kreys, zu erleben. Er bringt Schwung in den Laden, macht Mile Haak den Hof, versucht sich nachts auch als Gespenst und ist letztlich doch ein richtiger Pechvogel. Zum ruhenden Pol der Handlung wird Ralf Rüdiger Bayer als Hussmester Hein Kohrs, der unliebsame Gäste mit Vergnügen an die Luft befördert.

Irgendwie saß dem Laien-Ensemble die Anspannung der Premierenvorstellung im Nacken. So sprang der zündende Funke zum Publikum anfangs nur etwas zögerlich über, was sich mit fortschreitender Spieldauer änderte. Mit viel Beifall wurden die Mitwirkenden und Speelbaas Arnold Preuß vom Publikum verabschiedet. Die nächsten Vorstellungen werden ganz gewiß von einem gelösteren Ensemble locker vom Hocker aufgeführt.

Vielleicht liegt es auch etwas an dem recht nüchtern wirkenden Bühnenbild. Es führt in die Bürostube des Krämers Kramer Krey mit vielen Türen und einem hübschen Ausblick in den Garten. Aber, atmosphärisch ist der Stube nicht anzumerken, daß die Handlung hier bei uns an der Küste spielt. Solche Requisiten lassen sich aber noch einbauen. Die nächsten Aufführungen im Stadttheater sind am Sonnabend, 25. November, um 20 Uhr; Sonntag, 26. November, 15.30 und 20 Uhr; Freitag, 1. Dezember, 20 Uhr; Sonntag, 3. Dezember, 15.30 und 20 Uhr; Sonnabend, 16. Dezember, 20 Uhr. Im evangelischen Gemeindehaus in Sande wird am Donnerstag, 14. Dezember, ab 20 Uhr gespielt und in der Agnes Miege1 Schule in F'groden am Freitag, 15. Dezember, ebenfalls ab 20 Uhr.

Krey (Heinz Zomerland) hat einen dicken Kopf - woher wohl - Mile (Luise Pampuch) möchte ja gerne helfen, aber gegen Dunität ist man machtlos

Jeversches Wochenblatt vom 22.11.1995

Niederdeutsche Bühne spielt Theaterklassiker

Premiere von "Kramer Krey" von H. Boßdorf

(js) Wilhelmshaven. Sie überstand die unterschiedlichsten Zeitabläufe, überlebte politische Veränderungen und ist heute noch so aktuell wie vor 75 Jahren, die Komödie "Kramer Krey" von Hermann Boßdorf. Denn Liebe ist nun mal ein Thema, daß unvergänglich ist und Stoff für unzählige Bühnenstücke hergibt. Das muß auch der Autor gewußt haben, als er 1919 "Kreyenjagd", so der ursprüngliche Titel, geschrieben hat. Was den Dichter letztendlich dazu bewogen hat, das Stück noch vor der Uraufführung 1920 umzubenennen, ist nicht überliefert, aber der alte Titel wäre treffender gewesen.

Eine Jagd ist sie allemal, die Geschichte des "Kramer Krey", die am Sonntag abend als zweite Inszenierung von der Niederdeutschen Bühne Wilhelmshaven aufgeführt wurde. Auch wenn das Stück bereits zu den Klassikern unter den niederdeutschen Bühnenstücken zählt, kostete es den Darstellern am Anfang einige Mühe, die von Arnold Preuß einstudierte Inszenierung dem Publikum näherzubringen. Die zu Beginn etwas schwunglose Aufführung bekam erst mit Auftritt von Jürgen Tapken den richtigen Pep. Tapken verstand es dann auch immer wieder, Leben auf die Bühne zu bringen, so daß das Publikum die Aufführung mit anhaltenden Schlußbeifall bedachte.

Das ursprünglich 1920 im Hafenmilieu spielende niederdeutsche Lustspiel wurde von Arnold Preuß in das Jahr 1995 verlegt. Somit konnte der Regisseur die menschlichen Beziehungen, die heute viel freier ausgelebt werden, dem Publikum auch freizügiger darstellen. Hochgeschlitzte Kleider, tiefblickende Dekolletes, kurze Röcke und spitzenverzierte Strumpfbänder sorgten dann auch während der Aufführung für allerlei Unruhe unter den männlichen Zuschauern.

Unruhig wurde es auch für Heinz Zomerland, dem als Kramer Krey gleich vier Frauen nachjagen. Vier Frauen unterschiedlichster Art, da bleiben Machtkämpfe nicht aus. Da isi zum einen die Reinmachefrar Piepersch (Margot AndrewJäkel), die mit ihrem losen Mundwerk und ihrer robusten Art den wohlhabenden Witwer eher abschreckt als anzieht. Die Dirne Dele Rüsch (Christine Fein) dagegen ist nach einer durchgemachten Nacht mit dem Kramer auch materieller Art an ihn interessiert. Auch die reiche Witwe Laura Facklamm (Helga Lauermann) macht sich Hoffnung. Doch Kramer Krey, sein Herz gehört einzig und allein der Haushälterin Mile Haak (Luise Pampuch), die er lieber heute als morgen heiraten möchte.

Das wiederum paßt seinem Freund und Makler Asmus Broihan (hervorragend gespielt von Jürgen Tapken) überhaupt nicht. Der eingefleischte Junggeselle setzt Himmel und Geister in Bewegung, damit Krey ledig bleibt. Doch Broihans Geisterbeschwörung endet anders als von ihm erwartet. Bleibt zum Schluß noch Hausmeister Hein Kohrs (Ralf Rüdiger Bayer) zu erwähnen, der bei dieser "Kreyenjagd" als Rausschmeißer und Sprücheklopfer fungiert. Bei einer Jagd, der etwas mehr Temperament gut zu Gesicht gestanden hätte. Die nächste Kreyenjagd im Stadttheater ist am 25. und 26. November um 20 Uhr, Sonntag nachmittag auch um 15.30 Uhr.


Krey (Heinz Zomerland) sieht sich weiblichen Verführungskünsten ausgesetzt, durch Dele Rüsch (Christine Fein) wird das besonders drastisch dargestellt